Siegert: „Lichtverschmutzung und Lärm sc
haden der städtischen Biodiversität“
Am 14.11. wird im dritten Jahr in Folge der sogenannte Christmas Garden eröffnet, eine Lichtshow auf der Fläche des Botanischen Garten. Der NABU Hamburg lehnt den Christmas Garden ab. Eine wochenlange Lichtinstallation in einem Park, der eigentlich als Ort der Ruhe und des jahreszeitlichen Erlebens der Natur – auch in den Wintermonaten – dienen sollte, ist aus ökologischer Sicht fragwürdig.
Besonders kritisch ist die diesjährige Neuerung, dass die Besucher*innen durch Trommeln eine eigene Lichtshow erzeugen können. So wirkt nicht nur das Licht auf die Tierwelt, sondern auch noch der Lärm.
„Lichtverschmutzung und Lärm schaden der städtischen Biodiversität. Veranstaltungen wie der Christmas Garden müssen wirklich nicht sein. Einerseits bemüht sich der Senat die Lichtverschmutzung innerhalb der Stadt zu reduzieren, andererseits werden solche Veranstaltungen genehmigt. Eine auskömmliche Finanzierung des Botanischen Garten durch den Hamburger Senat würde diese rein profitorientierte und naturschädliche Veranstaltung übrigens überflüssig machen. Das öffentliche Geld dafür ist da – siehe Olympia oder Elbtower, es müsste nur anders verteilt werden. Mit der Ausrichtung des Christmas Gardens ist keinerlei Information über Artenschutz, Landschaftsschutz, Lichtverschmutzung oder andere Themen verknüpft, die der Botanische Garten sonst auf der Agenda hat. Der Profit des Veranstalters steht damit über dem eigentlichen Zweck des Areals“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburg.
Aus Sicht des Naturschutzes ist es nicht nachvollziehbar, dass die Veranstaltung ausgerechnet in einem Landschaftsschutzgebiet stattfindet. Laut Verordnung ist es in solchen Gebieten untersagt, „die Ruhe der Natur oder den Naturgenuss durch Lärmen oder auf andere Weise zu stören“. Vor diesem Hintergrund ist der Botanische Garten als Veranstaltungsort äußerst ungeeignet. Im Winter, wenn die Tierwelt ohnehin mit Nahrungsknappheit und Kälte zu kämpfen hat, benötigen Tiere in der Stadt besonders dringend ungestörte Rückzugsräume – und genau dafür sind Natur- und Landschaftsschutzgebiete eigentlich vorgesehen.
Hintergrund:
Durch eine dauerhafte Beleuchtung geht der für die Natur elementar wichtige Tag-Nacht-Rhythmus verloren. Vögel werden durch helles Licht in ihrem Zugverhalten gestört. Fledermäuse verlieren ihre Quartiere und Insekten werden vom Licht massiv angezogen, wodurch sie entweder als leichte Beute für andere Tiere enden oder durch Kollision und Erschöpfung sterben. Durch diese Störungen fehlen sie als Bestäuber von Blütenpflanzen oder als Glieder in der Nahrungskette. Das viele Licht hat also seine Schattenseiten: Übermäßige Beleuchtung stellt im städtischen Raum eine der größten Gefahren für die urbane Biodiversität dar.
Der Biorhythmus von tag-, nacht- oder dämmerungsaktiven Tieren unterscheidet sich oft deutlich vom menschlichen, und ihre Sensibilität gegenüber zunehmender Beleuchtung, insbesondere in städtischen Gebieten, ist wesentlich ausgeprägter
Pressemitteilung NABU Hamburg