Zum Tag der biologischen Vielfalt ford
ert der NABU eine konsequente Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung
Die biologische Vielfalt steht weltweit massiv unter Druck: Arten verschwinden in alarmierendem Tempo und wertvolle Ökosysteme verlieren ihre Widerstandskraft. Anlässlich des Internationalen Tags der biologischen Vielfalt am 22. Mai fordert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) deshalb ein entschiedenes Bekenntnis zur EU-Wiederherstellungsverordnung (WVO) und eine ambitionierte Umsetzung in Deutschland.
„Jetzt entscheidet sich, ob Europa beim Naturschutz ernst macht“, erklärt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. „Der Verlust der biologischen Vielfalt bedroht unsere Lebensgrundlagen ebenso wie die Klimakrise. Europa hat mit der Wiederherstellungsverordnung einen verbindlichen Rechtsrahmen geschaffen. Nun braucht es eine konsequente Umsetzung in den Ländern statt politischer Rückschritte.“
Die Verordnung verpflichtet die Mitgliedstaaten, geschädigte Ökosysteme schrittweise wiederherzustellen, darunter Flüsse und Auen, Moore, Wälder sowie landwirtschaftlich geprägte Lebensräume. Bis 2030 sollen auf mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresflächen der EU Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt werden.
Krüger betont die Bedeutung eines ambitionierten Nationalen Wiederherstellungsplans: „Deutschland braucht jetzt einen gut durchdachten Nationalen Wiederherstellungsplan mit klaren Zielen, verbindlichen Maßnahmen und einer verlässlichen Finanzierung. Nur so kann die Wiederherstellungsverordnung ihre Wirkung entfalten – für Artenvielfalt, Klimaschutz und den Erhalt der Heimat.“
Als positives Beispiel für gelungene Naturwiederherstellung verwies Krüger auf die Renaturierung der Unteren Havelniederung in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Das Projekt wird vom NABU betrieben und ist eines der größten Flussrenaturierungsvorhaben Europas. Es zeigt exemplarisch, wie ökologische Aufwertung, Klimaanpassung und Hochwasserschutz zusammenwirken können.
„Die Havel-Renaturierung zeigt, was möglich ist, wenn Politik, Verwaltung und Naturschutz mit den Menschen vor Ort gemeinsam handeln“, sagte Krüger. „Altarme werden wieder angebunden, Auen reaktiviert und wertvolle Lebensräume zurückgewonnen. Arten kehren zurück, Wasser bleibt länger in der Landschaft und die Region wird widerstandsfähiger gegenüber Extremwetter. Genau solche Projekte brauchen wir jetzt europaweit in deutlich größerem Umfang und genau deshalb ist die WVO so zentral.“
Pressemitteilung NABU
Foto: Das Wittmoor zwischen Duvenstedt, Lemsahl-Mellingstedt und Schleswig-Holstein wurde schon in den 1970er Jahren renaturiert, indem die Entwässerungsgräben geschlossen wurden, so dass zwei neue Hochmoorseen entstehen konnten. Seit 1978 ist das Wittmoor Naturschutzgebiet © wuz
Siehe auch wuz 34 vom Juli 2008
