Neue Hitzewelle: Staat muss Krisenspirale durchbrechen

BUND: Investitionen in akuten Schutz und langfristige Vorsorge
Eine neue Hitzewelle steht kurz bevor. Am Donnerstag und Freitag sind in Deutschland laut Deutschem Wetterdienst lokal Temperaturen um 39 Grad Celsius möglich. Es ist bereits der zweite extreme Hitzeschub in diesem Jahr. Die Klimakrise macht Hitzewellen häufiger, länger und gefährlicher. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert einen Hitzegipfel, um die Krisenspirale auf allen Ebenen entschlossen zu durchbrechen: Die Politik muss endlich für akuten und vorsorgenden Hitzeschutz sorgen.

Jahrzehntelang haben Bund, Länder und Kommunen Städte versiegelt, Stadtgrün zurückgedrängt, Gebäude nicht modernisiert sowie Mobilität, Energie- und Wärmeversorgung von fossilen Energien abhängig gemacht. Damit wurde die Klimakrise angeheizt und es entstehen insbesondere in den Städten Hitzeinseln, die selbst nachts kaum abkühlen. Das beeinträchtigt die Lebensqualität vieler Menschen massiv und gefährdet die Gesundheit. Besonders betroffen sind ältere und sozial benachteiligte Menschen. Das Robert-Koch-Institut schätzt für diesen Sommer (Stand Mitte Juli) bereits rund 7900 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland.

Mit den zunehmenden Hitzeperioden steigt auch der Bedarf an Energie, Wasser und Baumaterialien. Der Krisenmodus, in dem wir uns befinden, wird so immer weiter angeheizt – mit gravierenden sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Risiken.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Die nächste Hitzewelle rollt an und die Politik bleibt kühl bei der Tagesordnung. Der Staat muss die Bedrohung von Mensch und Natur durch Hitze endlich ernst nehmen und konsequent seiner Schutzpflicht nachkommen. Er muss die Krisenspirale durchbrechen, Menschen akut Schutz bieten und Vorsorge leisten. Mehr Anstrengung ist nötig statt weiterer klimapolitischer Rückschritte und Mittelkürzungen. Wir fordern einen Hitzegipfel. Bund, Länder und Kommunen müssen endlich strategisch zusammenarbeiten und die Weichen für Klimaschutz und -anpassung stellen.“

Hitze – soziale und wirtschaftliche Risiken

Hitze verschärft soziale Schieflagen. Menschen mit wenig Einkommen leben häufiger in Gebäuden und Gegenden, die wenig Schutz vor Hitze bieten. Menschen, die ohnehin gesundheitlich schutzbedürftig sind, wie Alte, Kinder und Menschen mit Krankheiten und Behinderungen, leiden besonders unter den Auswirkungen hoher Temperaturen. Hitze ist außerdem ein wirtschaftliches Risiko. Bei extremer Hitze können Menschen zum Beispiel schlechter arbeiten und es gibt mehr krankheitsbedingte Arbeitsausfälle. Gleichzeitig steigen der Ressourcenverbrauch und die Kosten für die Kühlung von Räumen und Maschinen sowie für Reparaturen, etwa an Straßen und Schienen.

Bandt: „In dieser bedrohlichen Lage fordern gerade viele Kommunen und Landesregierungen, dass die EU-weite Verpflichtung, mehr Stadtgrün zu schaffen, aufgehoben wird. Das ist ein Frontalangriff auf die Gesundheit der Menschen in diesen Städten. Es braucht jetzt wirksame und sozial zielgerichtete Investitionen, um die Klimakrise zu bremsen und Mensch und Natur zu helfen, besser mit den Folgen zurechtzukommen.“

Städte und Kommunen können und müssen Teil der Lösung werden. Um nur einige Maßnahmen zu nennen: Bäume, Beete und Parks statt Beton sorgen für Abkühlung in den Städten. Gebäude mit Dämmung, Verschattung und bepflanzten Fassaden senken Emissionen und Temperaturen in den Wohnungen. Wasser, das bei Starkregen in Böden und Städten gehalten wird, steht in Trocken- und Hitzeperioden für Kühlung und Verdunstung zur Verfügung.

Pressemitteilung BUND


Hamburg trainiert Extremwetterszenario
Teilnahme an der bundesweiten LÜKEX 2026 stärkt Fähigkeiten zur Krisenbewältigung

Während sich die nächste Hitzewelle aufbaut, bereiten sich Behörden und Institutionen bundesweit auf die bevorstehende Großübung LÜKEX 26 unter Leitung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) vor. Hamburger Behörden üben dabei das behördliche Krisenmanagement mit den Schwerpunkten Versorgung der Bevölkerung, Hitzeschutz und Krisenkommunikation.

In dieser bundesweiten Krisenmanagementübung wird das Szenario „Dürre und Hitzewelle – Notlage durch extreme Hitzewelle nach langjähriger Trockenperiode in Deutschland und Europa“ trainiert. Die Folgen reichen von einer angespannten Wasserversorgung über Belastungen für das Gesundheitswesen bis hin zu Auswirkungen auf Energieversorgung, Wirtschaft und weitere Kritische Infrastrukturen. Das diesjährige Szenario basiert unter anderem auf der Risikoanalyse Dürre des BBK und wurde gemeinsam mit Bund, Ländern sowie Fachbehörden wie dem Deutschen Wetterdienst und der Bundesanstalt für Gewässerkunde weiterentwickelt.

Die LÜKEX 26 ist für November 2026 geplant und mit voraussichtlich rund 100 aktiv übenden Organisationen die bisher größte nationale Krisenmanagementübung. Hamburg nimmt erstmals umfänglich unter Federführung der Behörde für Inneres und Sport (BIS) mit der Senatskanzlei, der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM), der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB), der Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation (BWAI), der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz (BJV) und der Sozialbehörde sowie den Bezirken, Hamburg Wasser und Hamburg Port Authority teil. Ziel der Übung ist es, die Koordination und Zusammenarbeit der beteiligten Behörden und Organisationen unter realistischen Bedingungen zu trainieren und sicherzustellen, dass im Ernstfall schnell und koordiniert gehandelt werden kann.

Die Teilnahme an LÜKEX ist Teil einer umfassenden Strategie zur Stärkung des Bevölkerungsschutzes in Hamburg. In den vergangenen Jahren wurden unter anderem unter Federführung der Sozialbehörde der Hitzeaktionsplan (HAP) für Hamburg entwickelt. Ziel des Plans ist, hitzebedingte gesundheitliche Risiken frühzeitig identifizieren und minimieren zu können sowie gezielte Handlungsstrategien aufzuzeigen. Die Implementierung eines HAP ermöglicht es, sich auf Hitzephasen besser vorzubereiten bzw. gezielter darauf reagieren und behördenübergreifend agieren zu können. Auf dieser Grundlage kann die Bevölkerung angemessen geschützt werden. Neben grundlegenden Informationen und praktischen Tipps umfasst er einen vielfältigen Maßnahmenkatalog, um Hamburg bestmöglich auf Hitzewellen vorzubereiten.

Gleichzeitig stellt sich Hamburg für die Krisenbewältigung und im Bevölkerungsschutz neu auf. Krisen können heute vielfältiger sein, länger andauern und sich gegenseitig verstärken. Neben zunehmenden Extremwetterereignissen wächst die Gefahr durch hybride Bedrohungen und Störungen Kritischer Infrastrukturen. Der Senat hat frühzeitig reagiert und bereits 2024 den Aufbau der „Abteilung für Krisenbewältigung und Bevölkerungsschutz“ in der Innenbehörde beschlossen. Diese Abteilung befasst sich fortlaufend mit bekannten und zukünftigen Risikoszenarien für Hamburg und entwickelt gemeinsam mit anderen zuständigen Behörden entsprechende Präventions- und Bewältigungsstrategien. Dabei arbeitet sie eng mit staatlichen und privaten Netzwerkpartnern auf Bundes- und Landesebene zusammen. Neue Erkenntnisse und veränderte Gefährdungslagen fließen dabei fortlaufend in die Planungen ein.

Regelmäßige Übungen wie die LÜKEX 26 sind ein zentraler Bestandteil wirksamer Krisenvorsorge. Hamburg nutzt die Übung, um bestehende Abläufe zu überprüfen, die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen zu festigen und wichtige Erkenntnisse für die weitere Krisenvorsorge zu gewinnen, um in außergewöhnlichen Lagen handlungsfähig zu bleiben und die Bevölkerung bestmöglich zu schützen.

Weitere Informationen zur LÜKEX 26 unter: https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Krisenmanagement/LUEKEX/Naechste-Luekex/nachste-luekex_node.html

Pressemitteilung Behörde für Inneres und Sport sowie Sozialbehörde

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