Neuer Index zeigt Hitzezonen

Neue Studie: Zukunftsfähige Landschaften in Deutschland sind „Grün, Feucht und Kühl“
Nicht nur die Großstädte in Deutschland sind Hitze-Hotspots, es gibt mittlerweile ausgedehnte Hitzelandschaften. Das zeigt eine neue wissenschaftliche Studie des ECONICS INSTITUTE. Der in Brandenburg neu gegründete Thinktank für Ökosysteme veröffentlicht heute erstmals einen „Grün-Feucht-Kühl-Index“ für Deutschland, der in Partnerschaft mit dem NABU (Naturschutzbund Deutschland) präsentiert wird. Wichtige Erkenntnisse: Die Art der Landnutzung ist für fast ein Fünftel der Temperaturunterschiede verantwortlich, und wo es grüner und kühler ist, gibt es sogar mehr Niederschläge – und zwar nicht nur in Bergregionen.

Die neuen Daten zeigen zum einen, dass sich besonders Ballungsräume und Industriegebiete an heißen Tagen überproportional aufheizen. Zum anderen wird deutlich, dass auch in Regionen mit strukturarmer Landwirtschaft großflächige Hitzelandschaften entstanden sind. Ohne Bäume, Hecken und Feldgehölze, also ohne angemessene Anteile naturnaher Vegetation trocknen die Böden aus, heizen sich auf und verstärken einen Teufelskreis. In der Folge wachsen Pflanzen schlechter – es drohen Wasserknappheit und somit Ernteverluste. Hingegen sind Regionen mit Wäldern, Feuchtgebieten, vielen Hecken und Dauergrünland deutlich kühler. Sie speichern und verdunsten Wasser und fördern sogar den Niederschlag.

Studienleiter und Vorstand des ECONICS INSTITUTE, Prof. Dr. Pierre Ibisch, hebt hervor: „Wir benötigen einen neuen Blick auf unsere Landschaft. Funktionierende Natur ist hübsch anzusehen, aber in der Klimakrise ist sie die wesentliche Produktionsgrundlage für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft. Vor allem sind gesunde Ökosysteme eine entscheidende Ressource für Lebensqualität, Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung.“

Wissenschaftler und NABU sind sich einig, dass die Erkenntnisse in der Praxis genutzt werden können. NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger sagt: „Die Studie macht deutlich, wie stark die Leistungen sind, die intakte Ökosysteme erbringen und zeigt auf, welche Potenziale regionale Veränderungen haben: Wenn wir zum Beispiel mehr auf Methoden der regenerativen Landwirtschaft setzen – durch dauerhafte Bodenbedeckung, die Förderung von Agroforstsystemen oder Hecken – können wir die Region insgesamt kühlen und feuchter halten. Und dort, wo Natur noch intakt ist, sollten wir alles dafür tun, sie zu stabilisieren, beispielsweise durch die Förderung von Laub- und Mischwäldern und Schwammlandschaften. Durch diese Maßnahmen halten wir das Wasser in der Landschaft.“

Die Forschenden vom ECONICS INSTITUTE haben frei verfügbare Satellitendaten genutzt und die Oberflächentemperaturen unter anderem in Verbindung mit der Vegetationsdichte untersucht.

„Zwischen den Bundesländern und einzelnen Landschaften zeigen sich starke Unterschiede“, sagt Ibisch. „Zu den kritischen Regionen gehören etwa weite Teile Sachsen-Anhalts und das Thüringer Becken, Franken in Bayern sowie das Rhein-Main-Gebiet. Überdurchschnittlich grün und kühl sind erwartungsgemäß bewaldete Bergregionen wie Bayerischer Wald, Schwarzwald, Spessart oder Pfälzer Wald – aber nur, solange die Wälder vital sind. Im Sauerland, Siegerland oder Harz ging mit dem Absterben der Fichtenforste zusehends auch die Leistungsfähigkeit der Ökosysteme zurück.“

Der NABU und die Wissenschaftler sehen in den Erkenntnissen vor allem eine Chance. Krüger sagt: „Der Index kann helfen, die richtigen Veränderungen anzuregen – und er ermöglicht es auch, nachzuverfolgen, wie wirksam die Veränderungen sind. Diese Möglichkeit sollten wir für die Praxis nutzen.“

Weiterführende Informationen unter: https://www.NABU.de/gfkindex.html
und https://econics.institute/

Pressemitteilung NABU

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