Niedrigwasser: DUH fordert gesetzliche Stärkung

… der Natürlichen Infrastruktur und mehr Investitionen in Gewässerrenaturierung
Angesichts des dramatischen Niedrigwassers in Deutschland fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) den schnellstmöglichen Beschluss des lange versprochenen Gesetzes für Natürliche Infrastruktur. Die Bundesregierung müsse zudem mehr in die konsequente Gewässerrenaturierung investieren.

Dazu Sabrina Schulz, Stellvertretende Leiterin des Bereichs Naturschutz und Biologische Vielfalt bei der DUH:

„Durch die Klimakrise erleben wir immer häufiger apokalyptische Zustände: Brennende Wälder und versiegende Flüsse treiben gerade zahlreiche bedrohte Tiere in die Flucht oder in den Tod. Doch die Bundesregierung reagiert erst, wenn Warentransporte unterbrochen werden, und spricht mit Wirtschaftsvertretern statt mit Umweltverbänden. Die Schlussfolgerung darf jetzt nicht sein, Flüsse noch weiter zu vertiefen. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes muss endlich ihrer Pflicht nachkommen und die europäischen Vorgaben für die Gewässerrenaturierung umsetzen. Nebenrinnen, kurvige Gewässerläufe, schattige Ufer und feuchte Auwiesen mit Weidetieren statt künstlich entwässerter Äcker helfen, Wasser zu speichern, Niedrigwasser zu mildern und unser Grundwasser zu schützen. Doch das reicht noch nicht aus: Die Bundesregierung muss endlich das lang versprochene Gesetz für die Stärkung der Natürlichen Infrastruktur beschließen, um Menschen und Tiere besser vor den verheerenden Folgen der Klimakrise zu schützen.“

Pressemitteilung DUH


Flussvertiefung gegen Niedrigwasser? NABU warnt vor „Fass ohne Boden“
Detloff: Lösung liegt nicht in tieferen Fahrrinnen, sondern in klimaresilienten Flüssen

Angesichts der zunehmenden Niedrigwasserprobleme in Rhein und anderen Flüssen beraten sich heute erneut die Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister. Medienberichten zufolge soll es auch um Maßnahmen zum weiteren Ausbau der Wasserstraßen gehen. Im Raum stehen unter anderem punktuelle Vertiefungen von Fahrrinnen, um die Schiffbarkeit auch bei niedrigen Pegeln zu verbessern. Der NABU warnt vor einer solchen Ausrichtung: Sie bekämpfe nur die Symptome der Klimakrise – mit erheblichen ökologischen und wirtschaftlichen Risiken. Stattdessen müsse die Widerstandsfähigkeit der Flüsse gestärkt werden. Davon profitierten Natur und Schifffahrt gleichermaßen.

Kim Detloff, Fachbereichsleiter Politik beim NABU-Bundesverband, sagt: „Die Verkehrsminister reden über Symptombekämpfung, statt die eigentliche Ursache anzugehen. Die Klimakrise verändert unsere Flüsse – und darauf muss sich die Schifffahrt einstellen. Die Schiffe müssen an die Wasserstraßen angepasst werden, nicht umgekehrt. Wer jetzt Milliarden in weitere Vertiefungen steckt, riskiert ein Fass ohne Boden: Die Bauprojekte dauern viele Jahre, während Extremwetter und sinkende Wasserstände den technischen Lösungen längst davonlaufen. Gleichzeitig verschärfen Flussvertiefungen den Wassermangel in der Landwirtschaft, erhöhen das Risiko von Hochwassern. Tiefer bedeutet nicht mehr Wasser in den Flüssen.“

Schon heute stehen Flüsse und ihre Lebensgemeinschaften massiv unter Druck. Vertiefungen würden die ökologischen Probleme der Flüsse weiter verschärfen. Wird die Strömung auf eine kleinere Rinne konzentriert, kann dies die Tiefenerosion verstärken und eine weitere Selbsteintiefung des Flussbetts auslösen. Damit können sich Grundwasserstände absenken und die Verbindung zwischen Fluss und Auen weiter verschlechtern. Lebensräume im und am Fluss geraten zusätzlich unter Druck. Zugleich drohen Konflikte mit den Zielen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, insbesondere dem Verschlechterungsverbot.

Dabei liegt ein wichtiger Teil der Lösung in der Natur selbst, so der NABU. Statt die Flüsse weiter technisch an die Schifffahrt anzupassen, müssen sie klimaresilienter werden – durch Renaturierung, die Wiederanbindung von Auen sowie den Schutz von Mooren und anderen natürlichen Wasserspeichern. „Wir müssen die jahrzehntelange Entwässerung unserer Landschaften rückgängig machen und können zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wer Flüssen mehr Raum gibt, stärkt die Widerstandsfähigkeit unserer Landschaften gegenüber Dürre und Hochwasser. Intakte Ökosysteme wirken hierbei wie ein Schwamm: Sie halten Wasser in der Landschaft zurück und geben es in Trockenzeiten langsam wieder ab. Davon profitieren sowohl die Natur als auch die Schifffahrt“, so Detloff.

Darüber hinaus braucht es Lösungen für Schifffahrt, Industrie und Handel in Niedrigwasserzeiten, wie alternative, umweltschonende Transportkapazitäten auf der Schiene, eine auskömmliche Förderung für niedrigwassergeeignete Schiffe und zusätzliche Lagerkapazitäten.

Pressemitteilung NABU


Niedrigwasser bedroht nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Flussökosysteme
Der BUND warnt vor Verlust wichtiger Lebensräume

Fahrrinnenvertiefung würde Ökosysteme zusätzlich belasten
Dauerhaftes Niedrigwasser entzieht Landschaft noch mehr Wasser, stresst Grundwasser und beeinflusst Trinkwassergewinnung
Auch Land- und Forstwirtschaft von Folgen betroffen

Unter dem aktuellen Niedrigwasser leidet nicht nur die Wirtschaft und Logistik, sondern auch der Lebensraum Fluss. Mit sinkenden Wasserständen nimmt der Sauerstoffgehalt ab, das Wasser wird wärmer und die Schadstoffbelastung steigt. Flache Uferbereiche und Kiesbänke, die Laich- und Aufwuchsgebiete von Fischen und anderen Wasserbewohnern trocknen aus. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt deshalb davor, Flüsse nur als Wasserstraßen und Verkehrswege zu behandeln.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Das Niedrigwasser schadet nicht nur der Wirtschaft, sondern bedroht auch wertvolle Lebensräume. Flüsse sind komplexe Ökosysteme, auf die zahlreiche Tier- und Pflanzenarten angewiesen sind. Die Fahrrinnen zu vertiefen wird der Landschaft noch mehr Wasser entziehen – darunter leiden dann auch Landwirt*innen, Waldbesitzer*innen und die Trinkwasserversorgung.“

Fische und andere Flusslebewesen unter Druck

Niedrigwasser in Flüssen kann Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme erheblich belasten. Je häufiger und je länger das Niedrigwasser anhält, desto gravierender können die Folgen sein. Besonders problematisch ist die Kombination aus niedrigem Wasserstand und hohen Temperaturen. In wärmerem, nährstoffreichem Wasser vermehren sich Algen oft schneller. Die entstehenden „Algenblüten“ entziehen dem Wasser Sauerstoff. Durch diese Eutrophierung werden Fische und Kleinlebewesen lebensbedrohlich gefährdet.

Der Lebensraum der Fische schrumpft bei Niedrigwasser ebenso. Trocknen Teilabschnitte sehr stark aus, können Fischwanderwege unterbrochen und Laich- und Rückzugsräume zerstört werden. Die Veränderungen des Lebensraums sind rasant und Tiere und Pflanzenarten haben keine Möglichkeit, sich anzupassen. Gleichzeitig sind die Tiere auf engem Raum zusammengedrängt und werden leichter von Fressfeinden erbeutet.

Ufer und Auen leiden

Auch die Natur im Uferbereich leidet unter dem Niedrigwasser. Wasserpflanzen können austrocknen oder durch höhere Wassertemperaturen geschädigt werden. Die Wurzeln der Uferpflanzen erreichen absinkendes Wasser nicht mehr und können absterben.

Besonders gefährdet sind die ohnehin seltenen und bedrohten Auen-Lebensräume. Am Rhein könnten durch das Niedrigwasser beispielsweise flache Altarme mit ihrer teilweise noch intakten Vegetation austrocknen. Im ungünstigsten Fall werden sie vom Hauptstrom abgeschnitten und verlieren dann ihre Funktion als Rückzugs- Fortpflanzungs- und Ernährungsgebiete.

Tiere, die an das Wasser gebunden sind, verlieren durch Austrocknung große Teile ihres Lebensraums. Dies betrifft zum Beispiel alle Arten, die im Wasser jagen. Auch Vögel, die im schlammigen Boden nach Nahrung suchen, sind betroffen.

Sauerstoff- und Schadstoffkonzentration steigt

Je weniger Wasser da ist und je flacher es wird, desto weniger Sauerstoff steht zur Verfügung. Für Fische, Muscheln und andere Wasserlebewesen bedeutet das zusätzlichen Stress; bei starkem Sauerstoffmangel können sie sterben.

Zugleich kann die Konzentration von giftigen Schadstoffen im Wasser steigen, weil weniger Wasser zum Verdünnen vorhanden ist. Zusammen mit der höheren Wassertemperatur verschärft das die Belastung für das gesamte Flussökosystem. Sterben dadurch Insektenlarven, Muscheln oder Fische, fehlt anderen Tieren die Nahrungsgrundlage – etwa Wasservögeln oder größeren Fischen.

„Niedrigwasser wird nicht nur zu einem Problem einer einzelnen Art, sondern kann die Stabilität des gesamten Ökosystems und somit auch von uns Menschen beeinträchtigen“, so Olaf Bandt.

Fahrrinnenvertiefung mit hohen ökologischen Kosten

Eine Vertiefung der Fahrrinnen für die Binnenschifffahrt, wie aktuell diskutiert, wird der Landschaft noch mehr Wasser entziehen. Das kann auch zum Problem für Landwirt*innen und Waldbesitzende werden.

Olaf Bandt: „Eine Fahrrinnenvertiefung geht mit hohen ökologischen Kosten einher. Das Ziel des Ausbaggern ist es, das wenige vorhandene Wasser in schmaleren und tieferen Rinnen zu konzentrieren, damit die schwer beladenen Schiffe nicht auf Grund laufen. Das funktioniert nur, weil damit der umliegenden Landschaft noch mehr Wasser entzogen wird. Darunter werden dann auch Land- und Forstwirtschaft leiden, die ohnehin schon mit der Trockenheit zu kämpfen haben.

Der BUND fordert deshalb Renaturierung, mehr Wasserrückhalt in der Landschaft, eine Anpassung der Schifffahrt an das verfügbare Wasserdargebot und keine weitere Fahrrinnenvertiefung.

Pressemitteilung BUND


Greenpeace zum heutigen Statement von Carsten Schneider vor dem Bundeskanzleramt

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) positionierte sich heute deutlich gegen Verkehrsminister Bilger. Die Wirtschaft ist nicht durch Fahrspurenvertiefungen zu retten, sondern durch konsequenten Klimaschutz, sagt Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand Greenpeace e.V..

“Die Wirtschaft kann nicht durch Flussvertiefungen am Laufen gehalten werden. Das hat Carsten Schneider heute deutlich gesagt und er hat Recht. Stattdessen brauchen wir Renaturierung und Wiedervernässung der Landschaft. Nur so können wir lebensnotwendiges Wasser für die immer häufigeren und heftigeren Hitzekrisen speichern.

Schneider will den Ausstieg aus fossilen Energieträgern sowie den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. Allerdings fehlen sofortige Maßnahmen wie ein Tempolimit oder die Besteuerung fossiler Konzerne. In einer Zeit, in der Europa unter Hitze und austrocknenden Flüssen leidet, sind solche Maßnahmen notwendig und mit politischem Willen umsetzbar.

Die Klimakrise wird Gesellschaft, Wirtschaft und Demokratien in den kommenden Jahren und Jahrzehnten prägen. Damit die Wirtschaft weiterhin funktioniert, ist eine konsequente Neuausrichtung der Klimapolitik dringend notwendig. Das sollte auch Bundeskanzler Merz inzwischen klar sein. Er muss mit seinem Kabinett konsequente Klimaschutzmaßnahmen umsetzen, um die Bevölkerung und die deutsche Industrie zu schützen.”

Pressemitteilung Greenpeace

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