Niedrigwasser ist Klimafolge

VCD warnt vor Scheinlösungen und fordert konsequenten Klimaschutz
Anlässlich der von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger einberufenen Fachkonferenz zu Niedrigwasser fordert der ökologische Verkehrsclub VCD langfristige Lösungen im Umgang mit den Folgen der Klimakrise. Statt allein auf den Ausbau der Wasserstraßen zu setzen, muss die Verkehrspolitik klimaresiliente Flüsse erhalten, den Schienengüterverkehr stärken und den Ausstoß von Treibhausgasen wirksam senken.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger lädt heute kurzfristig zu einer Fachkonferenz zum Thema Niedrigwasser ein, allerdings ohne die Beteiligung von Umwelt- und Verkehrsverbänden – dabei ist ihre fachliche Expertise bei Strategien im Umgang mit den Folgen der Klimakrise unverzichtbar. Im Mittelpunkt stehen die Folgen niedriger Pegelstände am Rhein und anderen Wasserstraßen für die Binnenschifffahrt.

Der ökologische Verkehrsclub VCD warnt davor, Niedrigwasser mit einer weiteren Vertiefung der Fahrrinnen zu begegnen. Eine solche Maßnahme würde erhebliche finanzielle Mittel binden und die eigentlichen Ursachen nicht lösen – im Gegenteil. Tiefere Fahrrinnen beschleunigen den Wasserabfluss und erhöhen die Anfälligkeit der Flusssysteme. Aus Sicht des VCD ist eine weitere Fahrrinnenvertiefung deshalb eine Scheinlösung angesichts der zunehmenden Extremwetterlagen.

Dazu erklärt Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Die niedrigen Pegelstände kommen nicht überraschend. Sie treten seit Jahren auf, werden infolge der Klimakrise immer häufiger und erreichen gravierende Tiefstwerte. Das Niedrigwasser ist ein deutliches Warnsignal dafür, dass wir jetzt entschlossen handeln müssen und unsere Infrastruktur an die Folgen der Klimakrise anpassen.

Statt Schifffahrtsrinnen immer weiter zu vertiefen, brauchen wir klimaresiliente Flüsse und einen leistungsfähigen Schienengüterverkehr, sodass Transporte bei extremen Niedrigwasserereignissen zuverlässig auf die Schiene verlagert werden können. Vor allem brauchen wir endlich eine wirksame Klimaschutzpolitik, die den Ausstoß von Treibhausgasen konsequent senkt. Gerade im Verkehrssektor besteht weiterhin erheblicher Nachholbedarf. Neben der Elektrifizierung des Straßenverkehrs gehören dazu vor allem eine verlässliche und leistungsfähige Schieneninfrastruktur.

Wer heute nur die Symptome bekämpft, wird morgen vor noch schwerwiegenderen Problemen stehen. Deshalb braucht es eine Verkehrspolitik, die Klimaschutz und Klimaanpassung konsequent zusammenführt.“

Pressemitteilung VCD


Niedrigwasser-Konferenz: Bundesregierung muss Flüsse klimaresilient machen
Krüger: Mehr Renaturierung und natürliche Wasserspeicher statt kurzfristiger Krisenmaßnahmen

Anlässlich des heutigen Spitzengesprächs Niedrigwasser von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger mit Schifffahrtsverbänden und Industrievertretern warnt der NABU vor Schnellschüssen und fordert, die zunehmenden Niedrigwasserstände in deutschen Flüssen nicht allein als Herausforderung für Schifffahrt und Wirtschaft zu betrachten. Die Klimakrise macht deutlich, dass wir unsere natürlichen Wasserspeicher stärken und Flüsse widerstandsfähiger machen müssen.

Jörg-Andreas Krüger, Präsident des NABU:

„Niedrigwasser, Waldbrände und Hitzewellen zeigen: Unsere Verwundbarkeit gegenüber der Klimakrise ist unübersehbar. Jetzt, wo auch die Wirtschaft die Folgen spürt, braucht es mehr als kurzfristige Krisenmaßnahmen. Niedrigwasser ist nicht nur die Folge ausbleibender Niederschläge. Es wird durch jahrzehntelange Eingriffe in unsere Landschaft erheblich verschärft. Entwässerte Moore, begradigte Flüsse, abgeschnittene Auen und degradierte Böden können Wasser nicht mehr wie ein Schwamm speichern und in Trockenzeiten langsam wieder abgeben. Stattdessen fließt es nach Starkregen schnell ab und fehlt in den immer längeren Dürrephasen.

Jetzt allein über Fahrrinnenanpasssungen für die Schifffahrt zu diskutieren, greift zu kurz und ignoriert den Zusammenhang degradierter und ausgebauter Flüsse mit den niedrigen Wasserständen von Rhein, Donau und Elbe. Natur und Wirtschaft gehören zusammengedacht. Wenn Flüsse austrocknen, leiden Artenvielfalt, Wasserqualität, Schifffahrt, Industrie und Versorgungssicherheit gleichermaßen. Wir müssen die verlorene Speicherkapazität unserer Landschaft zurückholen. Die Instrumente dafür liegen mit der EU-Wiederherstellungsverordnung, dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz und dem geplanten Gesetz zum Schutz der Natürlichen Infrastruktur auf dem Tisch. Jetzt kommt es darauf an, sie entschlossen umzusetzen. Renaturierung ist eine nachhaltige Investition in Klimaanpassung, Artenvielfalt und die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts.“

Pressemitteilung NABU

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