Angesichts des heute in Hamburg stat
tfindenden Nordseegipfels weist der NABU Hamburg darauf hin, dass der geplante Ausbau der Offshore-Windenergie nicht nur hinsichtlich der energetischen Potentiale erfolgreich sein muss. Der NABU begrüßt zwar grundsätzlich den ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien ausdrücklich, appelliert jedoch, Klimaschutz und Meeresschutz konsequenter als bisher zusammenzudenken.
Zu große Eingriffe in das sensible Ökosystem Meer gefährden sowohl die Biodiversität als auch dessen Funktion als gigantischer CO2-Speicher. Bereits jetzt wird die Nordsee, an der auch die Freie und Hansestadt Verantwortung trägt, durch Schifffahrt, Fischerei, Rohstoffabbau, Offshore-Wind und militärische Nutzung extrem beansprucht.
„Der einseitige Fokus des Gipfels verstellt den Blick auf wesentliche Herausforderungen des Offshore-Ausbaus. Die Überlastung muss reduziert und die vielfältigen Nutzungsansprüche mit Natur- und Klimaschutz in Einklang gebracht werden. Vor allem auch deswegen, weil Deutschland mit schöner Regelmäßigkeit rechtliche Verpflichtungen unterschiedlicher EU-Richtlinien geflissentlich ignoriert, unter anderem die der FFH- und Vogelschutzrichtlinie oder Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender vom NABU Hamburg.
Nach Einschätzung des NABU ist bei Regierungsverantwortlichen auf unterschiedlichen Ebenen noch immer nicht ausreichend verstanden worden, dass Klimaschutz und der Schutz der Biodiversität keine Selbstbeschäftigung von Umweltakteuren sind. Der Global Risk Report 2025 des Weltwirtschaftsforums sieht beide Faktoren binnen einer Dekade als größte globale Wirtschaftsrisiken. Das gilt auch für den Meeresnaturschutz. Insofern ist hinsichtlich des Erhalts der Ökosystemleistungen eine nachhaltige Meeresraumplanung ebenso bedeutsam, wie der konsequente Schutz und die Wiederherstellung ökologisch wertvoller und sensibler Meeresgebiete. Statt also kurzsichtig über die geplante Planungsbeschleunigung Umweltstandards und Beteiligung abzubauen, sollte stattdessen mit Blick auf die Bedeutung des sensiblen Ökosystems Meer langfristige bei Planung, Bau, Betrieb und Netzanbindung von Windparks der Meeresnaturschutz höchste Priorität haben.
Pressemitteilung NABU Hamburg
Nordsee-Gipfel in Hamburg: Nordsee darf nicht zum Industriegebiet werden
BUND fordert naturverträglichen Offshore-Ausbau mit Vorrang für Meeresschutz und klare ökologische Leitplanken
-BUND sieht erneuerbare Energien als zentral für den Klimaschutz, warnt aber vor einem Offshore-Ausbau auf Kosten des Meeresschutzes
-Nordsee darf nicht zum Industriegebiet werden
-Kooperation der Nordsee-Anrainer ist notwendig und braucht klare Umweltstandards
-Ausbauziele müssen an Belastungsgrenzen der Ökosysteme angepasst und Schutzgebiete wirksam gesichert werden
-Europarechtliche Standards zum Schutz der Meere müssen beachtet werden
-Kumulative Belastungen durch Infrastruktur, Schifffahrt, Öl- und Gasförderung, Fischerei und Militär müssen verbindlich und konsequent reduziert werden
-Umweltverbände und Zivilgesellschaft müssen frühzeitig und transparent beteiligt werden
Anlässlich des internationalen Nordsee-Gipfels, den die Bundesregierung am 26. Januar 2026 in Hamburg ausrichtet, fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), den Ausbau der Offshore-Windenergie strikt an den Belastungsgrenzen der Nordsee auszurichten. Die Nordsee ist bereits heute eines der am stärksten genutzten Meeresgebiete weltweit. Der BUND betont: Erneuerbare Energien sind das Rückgrat des Klimaschutzes und die Windenergie auf See kann einen wichtigen Beitrag leisten. Gleichzeitig gilt: Klimaschutz und Naturschutz müssen gemeinsam gelingen. Gesunde Meere sind Lebensräume und müssen geschützt und wiederhergestellt werden.
„Die Nord- und Ostsee befinden sich in einem schlechten ökologischen Zustand. Ein weiterer massiver Ausbau der Offshore-Industrie darf nicht auf Kosten von Artenvielfalt und Meeresschutz gehen,“ erklärt der BUND. Während die Bundesregierung die Nordsee als „grünes Kraftwerk für Europa“ positioniert, warnt der BUND davor, sie durch immer mehr Infrastruktur faktisch zu einem Industriegebiet zu machen. Der Ausbau der Offshore-Windenergie und deren Netzanbindung muss nach Ansicht des Umweltverbands naturverträglich erfolgen und mit einer messbaren Reduktion der kumulativen Belastungen einhergehen. Derzeit sind Kabeltrassen durch das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer geplant, wodurch dessen Status möglicherweise gefährdet ist.
„Meeresschutzgebiete, sensible Räume einschließlich des Wattenmeeres sowie Pufferzonen müssen als Rückgrat des marinen Biodiversitätsschutzes von Energieinfrastruktur möglichst weitgehend freigehalten werden“, fordert der BUND. Industrielle Nutzungen wie Offshore-Windparks, Kabeltrassen oder Wasserstoffpipelines dürfen Schutzgebiete nicht weiter entwerten. Die marine Raumordnung sollte dem Ökosystemansatz folgen und muss Naturschutzflächen verbindlich sichern. Grenzüberschreitende Kooperationsprojekte können die Energiewende effizienter machen. Es braucht dafür aber klare ökologische Leitplanken sowie einen verlässlichen europäischen Rahmen für Planung, Finanzierung und Netzanbindung.
Besondere Sorge bereitet dem BUND die zunehmende Belastung sensibler Arten wie Schweinswale und Seevögel. Unterwasserlärm durch Rammarbeiten, Schiffsverkehr und militärische Nutzung überschreitet bereits heute vielerorts verträgliche Schwellen. Der BUND fordert grenzüberschreitend abgestimmte Schwellenwerte und Lärmminderungsmaßnahmen sowie lärmarme Bauverfahren und Serviceverkehre als verbindliche Standards. Flugkorridore sowie Rast- und Nahrungsgebiete von Seevögeln müssen bei Planungen berücksichtigt werden.
Auch der Aufbau von Wasserstoffinfrastruktur dürfe nicht zu neuen Umweltproblemen führen. „Wasserstoff kann nur dann einen Beitrag zur Energiewende leisten, wenn er konsequent aus erneuerbaren Energien und naturverträglich erzeugt wird und die dazu notwendige Infrastruktur auf das tatsächlich notwendige Maß begrenzt bleibt“, betont der BUND. Noch kritischer sieht der BUND die CCS-Technologie: „CCS ist eine teure Illusion und droht zum Freibrief für weitere fossile Emissionen zu werden. Statt CO2 unter der Nordsee zu verpressen, müssen Emissionen an der Quelle vermieden werden und natürliche Kohlenstoffsenken geschützt und wiederhergestellt werden.“
Ein zentrales Defizit der bisherigen Nordsee-Politik ist nach Auffassung des BUND die unzureichende Berücksichtigung kumulativer Auswirkungen: Windparks, Netzanbindungen, Schifffahrt, Öl- und Gasförderung, Fischerei und militärische Nutzung üben massiven Druck auf das Ökosystem aus. Der Nordsee-Gipfel müsse hier verbindliche gemeinsame Bewertungsinstrumente beschließen und dafür sorgen, dass Belastungen in der Summe sinken.
Der BUND kritisiert zudem, dass Umweltverbände und Zivilgesellschaft bislang kaum in die Vorbereitung und Durchführung des Gipfels eingebunden sind. „Die Zukunft der Nordsee darf nicht allein zwischen Regierungen und Industrie verhandelt werden. Transparenz, frühzeitige Beteiligung und wissenschaftliche Begleitung sind unverzichtbar“, erklärt der BUND.
Der Nordseegipfel bietet aus Sicht des BUND die Chance, den Nordseeraum zu einer Modellregion für eine naturverträgliche Energiewende zu machen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Klima- und Biodiversitätsschutz gleichrangig behandelt und vorangebracht werden und ökologische Leitplanken nicht weiter aufgeweicht werden.
Pressemitteilung BUND Hamburg
Deutsche Umwelthilfe zum Nordseegipfel:
„Wer die Nordsee für die europäische Energieversorgung nutzen will, muss sie schützen“
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert angesichts der ambitionierten Pläne zum Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee konsequente Maßnahmen für ein resilientes Meeresökosystem. Zum dritten Mal trafen sich heute auf dem Nordseegipfel europäische Staatsoberhäupter und Energieministerinnen und -minister, um über den Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee zu verhandeln. Neben den über 100 Teilnehmenden aus der Wirtschaft war nur eine Handvoll Stimmen für den Naturschutz vertreten.
Als einziger Vertreter einer deutschen Naturschutzorganisation war DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner zum Gipfel geladen:
„Der Nordseegipfel setzt ein wichtiges Signal: Europa will den Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee konsequent vorantreiben. Wir unterstützen ausdrücklich die Planung der neu angekündigten grenzüberschreitenden Kooperationsprojekte, denn die ambitionierten Ausbauziele der Bundesregierung passen nicht in die deutsche ausschließliche Wirtschaftszone allein. Nur durch eine enge Kooperation aller Nordseestaaten kann der für den Kampf gegen den Klimawandel notwendige Ausbau auch innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen des Nordsee-Ökosystems geplant werden. Klar ist aber auch: Wer die Nordsee stärker für die europäische Energieversorgung nutzen will, muss sie konsequent schützen. Versorgungssicherheit gibt es nur mit einem resilienten Meeresökosystem. Dafür braucht es dringend eine seebeckenweite, grenzüberschreitende und ökosystembasierte Meeresraumplanung für die gesamte Nordsee. Energieministerin Katherina Reiche verlässt den Nordseegipfel mit einem klaren Auftrag: Noch 2026 muss sie die Weichen für einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie auf See stellen.“
Pressemitteilung Deutsche Umwelthilfe
Nordsee-Gipfel im Rathaus
Gwosdz: „Europa wird gehört, wenn es mit einer Stimme spricht“
Der heutige Nordsee-Gipfel im Hamburger Rathaus steht im Zeichen des gemeinsamen Ausbaus der Windkraft auf hoher See. Offshore-Windenergie ist ein wichtiger Baustein für eine Energiewende, die Europa unabhängig macht von fossiler Energie aus autoritären Staaten und zugleich zentral für den Klimaschutz ist. Der auf dem Gipfel beschlossene Investitionspakt für Windenergie bietet dafür eine Chance.
Dazu Michael Gwosdz, Vorsitzender der Grünen Fraktion Hamburg. „Vom Nordsee-Gipfel im Hamburger Rathaus geht schon jetzt ein klares Signal aus: Die europäischen Nordseestaaten kämpfen gemeinsam für mehr Energieunabhängigkeit und wirksamen Klimaschutz. Dafür muss der Ausbau der Windkraft auf allen Ebenen vorangetrieben werden, auch Offshore in der Nordsee. Klimaschutz und Naturschutz dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden – der Ausbau muss naturverträglich gestaltet werden, dafür werden wir uns auch weiter einsetzen. Der heutige Gipfel und der dort beschlossene Investitionspakt für Windenergie machen deutlich, dass erneuerbare Energie kein grüner Wunschtraum ist, sondern unsere Sicherheit in Europa erhöht. In einer Zeit, in der der US-Präsident unverhohlen damit droht, Grönland in Besitz zu nehmen, kann die Antwort nur sein, dass wir uns unabhängig machen und jedem Erpressungsversuch selbstbewusst entgegenstellen. Das geht nicht allein, sondern nur im Verbund mit unseren europäischen Partnern. Europa wird weltweit gehört, wenn es mit einer Stimme spricht.“
Pressemitteilung Grüne in der Bürgerschaft
Nordseegipfel in Hamburg: Europa muss Energieunabhängigkeit und Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben
Anlässlich des heutigen Nordseegipfels im Hamburger Rathaus beraten die Staats- und Regierungschefs der Nordseeanrainer über den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie. Für die SPD-Fraktion Hamburg ist der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien ein zentraler Schlüssel für wirksamen Klimaschutz, eine sichere Energieversorgung und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas. Gerade die Nordsee spielt dabei eine entscheidende Rolle für eine gemeinsame europäische Energieinfrastruktur.
Dazu Dirk Kienscherf, Vorsitzender der SPD-Fraktion Hamburg: „Der Ausbau der Offshore-Windenergie ist ein zentrales Vorhaben, wenn Europa wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleiben und seine Abhängigkeit von fossilen Energieimporten überwinden will. Der russische Angriffskrieg hat deutlich gemacht, wie wichtig eine sichere, eigene Energieversorgung für Europa ist. Wir erwarten von der Bundesregierung und unseren europäischen Partnern, dass der Ausbau der Windenergie auf See künftig noch stärker in den Fokus des Energieinfrastrukturausbaus rückt und dazu dient, bezahlbare Energiepreise für Wirtschaft und Privathaushalte zu sichern. Das ist klimapolitisch notwendig und wirtschaftlich sinnvoll. Für Hamburg ist dieses Thema seit Langem von besonderer Bedeutung: Unsere Stadt ist Deutschlands Windenergiehauptstadt, Standort zahlreicher Unternehmen der Branche und Gastgeber der weltweit größten Fachmesse für Windenergie. Diese Stärke gilt es weiter auszubauen – für Hamburg, für Deutschland und für Europa.“
Pressemitteilung SPD in der Bürgerschaft