Greenpeace zum Prüfbericht des Expert
enrat Klimafragen
Der Expertenrat Klimafragen geht davon aus, dass Deutschland sein Klimaziel für das Jahr 2030 um bis zu 100 Millionen Tonnen CO2 überschreiten wird. Die Verfehlungen bis zum Jahr 2045 fallen laut Bericht deutlich dramatischer aus, als bisher angenommen. Neben dem Verkehr wird insbesondere der Gebäudebereich als problematisch ausgemacht.
Für Greenpeace Geschäftsführer Martin Kaiser müssen sich die Ergebnisse des Berichts schnell in der Verkehrs- und Energiepolitik niederschlagen:
“Dieser Bericht ohrfeigt die bisherige Klimapolitik der Bundesregierung. Der Expertenrat unterstreicht, dass die aktuellen und geplanten Maßnahmen nicht ausreichen. Die gute Nachricht: Nie deckte sich Klimaschutz enger mit Sicherheits- und Sozialpolitik als heute. Die erste Konsequenz daraus sollte sein, das abgeschwächte Heizungsgesetz zu stoppen. Haushalte mit teuren Öl und Gasheizungen in eine fossile Falle laufen zu lassen, ist verantwortungslose Politik und vergrößert den Klimarückstand bei Gebäuden. Nötig sind jetzt Maßnahmen, die schnell greifen, etwa ein Tempolimit, das die Spritnachfrage schon morgen senken kann. Solche Schritte schonen das Klima und die Portemonnaies der Menschen.”
Pressemitteilung Greenpeace
„Die langfristigen Kosten tragen wir alle“ – Defizite beim Klimakurs erwartet
Klimaziele für 2045 außer Reichweite – NABU fordert wirksame Maßnahmen statt weiterer Rückschritte beim Klimaschutz
Berlin – Heute veröffentlicht der Expertenrat für Klimafragen seinen Prüfbericht. Dieser untersucht jedes Jahr anhand des erwarteten Ausstoßes an Treibhausgasen (Projektionsbericht), ob sich die deutsche Politik auf Klimakurs befindet. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass Deutschland mit den im Klimaschutzprogramm festgeschriebenen Maßnahmen seine Klimaziele verfehlen wird. Zwar könnten die Klimaziele 2030 mit Ach und Krach eingehalten werden. Eine Klimaneutralität bis 2045 ist mit der aktuellen Klimapolitik jedoch nicht erreichbar. Gleichzeitig drohen neue Gesetzesvorhaben der Bundesregierung, die bestehende Klimalücke weiter zu vergrößern.
Katharina Stucke, Senior-Referentin für Klima und Verkehr beim NABU, sagt dazu: „Statt wirksamen Klimaschutz zu betreiben und konsequent aus den fossilen Abhängigkeiten auszusteigen, setzt die Bundesregierung mit ihren aktuellen Vorhaben vom Tankrabatt bis zum Gebäudemodernisierungsgesetz weiter auf ein Festhalten an Öl und Gas. Die langfristigen Kosten dieser verfehlten Politik tragen wir alle. Die Prüfberichte des Expertenrats zeigen seit Jahren, was notwendig wäre: ein konsequenter Abbau klimaschädlicher Subventionen, deutlich mehr Effizienz, ein entschiedener Ausbau der erneuerbaren Energien und verlässliche Investitionen in natürlichen Klimaschutz. Ohne schnellere Elektrifizierung, wirksame Maßnahmen im Gebäude- und Verkehrssektor sowie eine Stärkung natürlicher Senken geraten die Klimaziele zunehmend außer Reichweite.”
Hintergrund
Der Expertenrat für Klimafragen prüft als unabhängiges wissenschaftliches Gremium, ob Deutschland auf Kurs zur Einhaltung seiner gesetzlichen Klimaziele ist. Grundlage dafür sind die jährlichen Projektionsdaten des Umweltbundesamtes. Sie zeigen, wie sich die Treibhausgasemissionen unter den derzeit beschlossenen Maßnahmen in den kommenden Jahren entwickeln würden. Der Prüfbericht des Expertenrats ist deshalb ein wichtiger Realitätscheck für die Klimapolitik der Bundesregierung.
Pressemitteilung NABU
Expertenrat kritisiert Klimaschutzprogramm der Bundesregierung: Deutsche Umwelthilfe sieht Rückenwind für Klimaklage und fordert umgehende Nachbesserungen
Berlin, 18.5.2026: In seinem heute veröffentlichten Gutachten kritisiert der Expertenrat für Klimafragen die CO2-Prognose der Bundesregierung als zu optimistisch: Die Verfehlung der Klimaziele sei vermutlich größer als angenommen. Auch das im März beschlossene Klimaschutzprogramm der Bundesregierung reiche nicht aus, um die gesetzlichen Klimaziele für 2030 und 2040 zu erreichen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht mit dem Gutachten ihre Klimaklage gegen das Klimaschutzprogramm bestätigt und fordert schnellstmögliche Nachbesserungen der geplanten Maßnahmen.
Dazu sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch:
„Das Gutachten des Expertenrats für Klimafragen entlarvt das Klimaschutzprogramm als Luftschloss. Die Bundesregierung versucht mit einem doppelten Taschenspielertrick, die Klimaziele auf dem Papier noch irgendwie einzuhalten: Während sie die CO2-Emissionsprognosen für die Zukunft kleinrechnet, bläht sie die CO2-Einsparungen des Klimaschutzprogramms künstlich auf. Mit der Realität hat das nichts zu tun. Wir fordern endlich konkrete Maßnahmen wie ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h außerorts. Wenn die Bundesregierung nicht von sich aus nachsteuert, werden wir sie mit unserer anhängigen Klimaklage zu Nachbesserungen des Klimaschutzprogramms zwingen. Spätestens seit dem wegweisenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu unserer Klage gegen das unzureichende Klimaschutzprogramm 2023 im Januar dieses Jahres ist klar, dass wir konkrete Nachbesserungen gerichtlich durchsetzen können. Das Gutachten des Expertenrats verleiht uns zusätzlichen Rückenwind.“
Pressemitteilung DUH
BUND zum Gutachten des Expertenrats für Klimafragen: Jetzt Energiewende vorantreiben statt fossilem Roll-back
Der Expertenrat für Klimafragen hat heute sein Gutachten zu den Emissionsdaten des Umweltbundesamtes für 2025 und die Projektionen für 2030 und 2040 veröffentlicht. Dazu kommentiert Verena Graichen, Geschäftsführerin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):
„Klimaschutz macht unabhängig von Öl und Gas und wappnet uns gegen künftige Krisen. Doch selbst im Angesicht der aktuellen Energiekrise leitet die Regierung Merz den fossilen Roll-back ein. Dabei ist das Urteil des Expertenrats eindeutig und vernichtend: Deutschland verfehlt seine Klimaziele auf ganzer Linie, selbst die zulässigen Gesamtemissionen bis 2030 werden überschritten.
Das gerade erst zusammengeschusterte Klimaschutzprogramm reicht bei Weitem nicht. Mit aktuell geplanten Rückschritten durch das geplante neue Heizungsgesetz oder mit der Aufweichung beim sogenannten Verbrenner-Aus, verschärft die Regierung sogar das Problem im Gebäude- und Verkehrsbereich.
Am Ende zahlen die Bürger*innen mit höheren Heiz- und Spritkosen für die klimapolitischen Fehler der Bundesregierung. Rot-Schwarz muss endlich Entschlossenheit in der Klimapolitik zeigen und den fossilen Holzweg verlassen. Wir rufen alle Abgeordneten auf, das vorgeschlagene Gebäudemodernisierungsgesetz so nicht durchzuwinken! Sie müssen den Kurs auf erneuerbares Heizen zu setzen. Die Energiewende als Fundament des Klimaschutzes muss ambitioniert weitergeführt werden. Alternativen zum Pkw müssen gestärkt, ein generelles Tempolimit eingeführt und das Deutschlandticket dauerhaft preisstabil abgesichert werden. Mit ihren Klein-Klein-Maßnahmen im Klimaschutzprogramm und fossilen Rollbacks verspielt die Regierung unser aller Zukunft.“
Hintergrund:
In seinem neuen Prüfbericht stellt der Expertenrat für Klimafragen heraus, dass Deutschland sowohl das Emissionsbudget, das ihm für den Zeitraum 2021-2030 gesetzlich zur Verfügung steht, als auch die gesetzlichen Klimaziele 2030 und 2040 überschreitet. Verantwortlich sind dafür vor allem der Gebäude- und der Verkehrssektor, hier werden auch die europäischen Ziele deutlich verfehlt. Die schwache Konjunktur, der „Emissions-Puffer“ der Corona-Jahre und der bisherige Erfolg beim Ausbau der erneuerbaren Energien sind ausschlaggebend dafür, dass die Klimabilanz nicht noch schlechter ausfällt. Das Gutachten betont auch, dass das Klimaschutzprogramm nicht ausreicht, um die Klimaschutzlücke zu schließen. Wird im nächsten Jahr erneut die Verfehlung des Gesamtbudgetziels 2030 festgestellt, müsste mit sehr kurzfristig wirksamen Maßnahmen nachgesteuert werden. Der BUND kritisiert, dass die klimapolitische Steuerung durch das 2024 abgeschwächte Klimaschutzgesetz nicht ausreichend ist und hat unter anderem deshalb zusammen mit dem Solarenergie-Förderverein Deutschland (SFV) und Einzelklagenden Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.
Hinweis:
Unter dem Motto „Zukunft statt Gas – Gemeinsam für die Energiewende“ ruft ein deutschlandweites Bündnis für Samstag, den 30. Mai, in Hamm zu einer Demonstration für eine gerechte Energiewende und gegen den überdimensionierten Neubau von Gaskraftwerken auf. Der Protest richtet sich gegen die Energiepolitik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Die Demonstration wird initiiert von Campact, Fridays for Future, BUND und Greenpeace. Zahlreiche weitere Organisationen unterstützen den Aufruf.
Pressemitteilung BUND