Olympia: Senatskonzept scheitert beim Stresstest

Das Mobilitätskonzept des Senats vom 16.03.2026 hält der Realität nicht stand. Ein aktueller Stresstest der Notgemeinschaft der Flughafenanlieger Hamburg e.V. entlarvt die „Interregionale Lösung für den Flugverkehr“ als faktisch untauglich. KI-gestützte Analysen bestätigen nun die in 65 Jahren gewachsene fachliche Expertise der Anliegergemeinschaft: Die geplante Abwicklung des Olympia-Verkehrs ist unter den gegebenen Prognosen unmöglich.

Die Basisprognose 2040 des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) sagt ein Passagierwachstum von 18 bis 25 % gegenüber 2019 voraus. Damit wären die als Ausweichziele genannten Flughäfen Frankfurt (FRA), Berlin (BER) und Kopenhagen (CPH) bereits durch das reguläre Aufkommen vollständig ausgelastet. Die freien Kapazitäten von Bremen (BRE), Hannover (HAJ) und Lübeck (LBC) belaufen sich zusammen auf maximal 10.000 Fluggäste pro Tag – benötigt würde jedoch die Abwicklung von zusätzlich 40.000 Gästen täglich.

Besonders kritisch: Der innerstädtische Flughafen Hamburg (HAM) erreicht laut BMDV-Prognose bereits ohne Olympia seine Kapazitätsgrenze. Da geplante Sportstätten und das Olympische Dorf direkt in den Einflugschneisen der Startbahn I liegen, müsste der Flugverkehr zudem fast ausschließlich über Barmbek und Norderstedt abgewickelt werden. Dies würde die Kapazitäten weiter reduzieren. Auch die Schieneninfrastruktur wurde nicht zu Ende gedacht: Sowohl der Hauptbahnhof als auch die Zulaufstrecken aus den umliegenden Metropolen operieren bereits heute am Limit. Für internationale Athleten und Funktionäre würden sich die Anreisezeiten im Vergleich zum Mitbewerber München oft verdoppeln.

Gebhard Kraft, 1. Vorsitzender der Notgemeinschaft:
„Das Senatskonzept ist bar jeder Grundlage, völlig unrealistisch und schadet dem Ruf unserer Stadt. Wenn Hamburg ernsthaft Olympische Spiele ausrichten will, muss nördlich der Stadt ein leistungsfähiger Olympiaflughafen als Ersatz für Fuhlsbüttel entstehen – mit direkter Schienenanbindung an den Bahnhof Diebsteich und nach Kiel. Hält der Senat an seinem aktuellen Konzept fest, droht ein Olympia ohne internationale Beteiligung auf dem Niveau von Landkreismeisterschaften.“

Pressemitteilung Notgemeinschaft der Flughafen-Anlieger Hamburg e.V.


100 Jahre Lufthansa: Kein Grund zum Feiern – Gesundheitsschutz und Klimaverantwortung bleiben auf der Strecke

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Lufthansa kritisiert die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) die politische und gesellschaftliche Inszenierung des Jubiläums als realitätsfern. Während Politik und Luftverkehrswirtschaft den Luftverkehr als unverzichtbaren Wachstumstreiber darstellen, bleiben die Belastungen für Millionen Betroffene durch Fluglärm sowie die klimapolitischen Auswirkungen unerwähnt.

„Dieses Jubiläum blendet die Realität systematisch aus“, erklärt Werner Kindsmüller, Präsident der BVF. „Fluglärm ist ein gravierendes Gesundheitsrisiko für die Anwohner von Flughäfen. Die Belastung nimmt vielerorts zu – insbesondere in den sensiblen Nachtstunden. Gleichzeitig erleben wir eine politische Debatte, die wirtschaftliche Interessen und Wachstumsideologie über den Schutz der Bevölkerung stellt.“

Besonders kritisch bewertet die BVF die Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz im Rahmen der Jubiläumsfeier. Die Feststellung, „weniger fliegen ist keine Option“, steht aus Sicht der BVF im klaren Widerspruch zu den Anforderungen eines wirksamen Klima- und Gesundheitsschutzes. Eine solche Position verkennt die Notwendigkeit, Verkehrsentwicklung aktiv zu steuern und Belastungen zu reduzieren. „So lange weniger klimaschädliche Technologien und Treibstoffe nicht zur Verfügung stehen, ist eine Reduzierung der Flugbewegungen die einzige Option“, erwidert Kindsmüller.

„Wir erleben eine gefährliche Schieflage“, so Werner Kindsmüller weiter. „Die Luftverkehrswirtschaft fordert Entlastungen und Flexibilität, während die gesundheitlichen und ökologischen Kosten weiterhin von der Bevölkerung getragen werden.“

Die BVF weist zudem darauf hin, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen zum Fluglärmschutz nicht mehr dem aktuellen Stand der Lärmwirkungsforschung entsprechen. Insbesondere der Schutz der Nachtruhe ist unzureichend gewährleistet. Verspätungsregelungen und Ausnahmepraxen führen in vielen Regionen dazu, dass die Belastung in den Nachtstunden faktisch zunimmt.

Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm fordert:

Eine konsequente Priorisierung des Gesundheitsschutzes im Luftverkehr
Eine deutliche Reduzierung nächtlicher Flugbewegungen und ein wirksamer Schutz der Nachtruhe
Die Weiterentwicklung des Fluglärmschutzgesetzes auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse
Die vollständige Einbeziehung des Luftverkehrs in wirksame klimapolitische Instrumente
Den Abbau klimaschädlicher Subventionen und eine verursachergerechte Kostenstruktur.

„100 Jahre Luftfahrtgeschichte verpflichten zu Verantwortung – für die Allgemeinheit“, so das Fazit von Werner Kindsmüller. „Ein zukunftsfähiger Luftverkehr muss sich an den Grenzen von Gesundheit und Klima orientieren. Davon sind wir derzeit weit entfernt.“

Pressemitteilung Bundesvereinigung gegen Fluglärm e.V.

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