Pestizideinsatz ohne Kontrolle?

PSM-Erfassung: Weniger Transparenz hilft weder der Landwirtschaft nochder Umwelt
Der CDU-Bundesparteitag hat auf Initiative von Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk beschlossen, sich auf europäischer Ebene für eine Abschaffung oder weitgehende Reduzierung der Dokumentationspflichten beim Pestizideinsatz einzusetzen. Der NABU kritisiert diesen Vorstoß deutlich.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Den Pestizideinsatz reduzieren, aber gleichzeitig die Datengrundlage abschaffen wollen – das passt nicht zusammen. Ohne verlässliche und transparente Erfassung der eingesetzten Wirkstoffe lässt sich weder überprüfen, ob Reduktionsziele eingehalten werden, noch wo Umwelt und Gewässer belastet sind. Weniger Transparenz hilft weder der Landwirtschaft noch dem Umwelt- und Gesundheitsschutz.“

Gerade angesichts wachsender Risiken sei eine solide Datengrundlage unverzichtbar. Die Anerkennung von Parkinson als mögliche Berufskrankheit infolge von Pestizidkontakt und zunehmende Belastungen von Gewässern – etwa durch langlebige chemische Rückstände – zeigten, wie dringend der Pestizideinsatz weiter gesenkt werden müsse. „Wir brauchen mehr und gezieltere Informationen über eingesetzte Wirkstoffmengen – nicht weniger“, so Krüger. „Nur mit Transparenz lassen sich Risiken bewerten, Alternativen fördern und Fortschritte messbar machen. Wer Dokumentationspflichten abschafft, erschwert wirksamen Umwelt- und Gesundheitsschutz.“

Hintergrund
Schön länger sind landwirtschaftliche Betriebe verpflichtet, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln detaillierter zu dokumentieren. Ziel der EU-Durchführungsverordnung 2023/564 ist es, belastbare Daten zu Wirkstoffmengen und Anwendungen zu erhalten, um Umwelt- und Gesundheitsrisiken besser bewerten und Reduktionsziele überprüfen zu können. Bereits 2018 geriet Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk in die Kritik, weil er eine weitergehende Transparenz und Offenlegung von Daten zum Pestizideinsatz gegenüber der Öffentlichkeit zunächst ablehnte, bevor er seine Formulierungen teilweise relativierte.

Pressemitteilung NABU

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