Greenpeace-Stellungahme zum Ergebnis der
UN-Verhandlungsrunde zum Plastikabkommen
Die sechste Verhandlungsrunde des UN-Plastikabkommens endet ohne abschließendes Abkommen. Die Positionen der Länder klaffen so weit auseinander, dass keine Einigung möglich ist. Moritz Jäger-Roschko, Plastikexperte von Greenpeace, hofft, dass es eine weitere Verhandlungsrunde gibt, die den Weg für ein ambitioniertes Plastikabkommen ebnet.
“Die Auswirkungen der Plastikkrise werden weiterhin massiv unterschätzt. Eine Lösung wird konsequent von der Öl- und Gasindustrie blockiert. Um das Problem zu lösen, braucht es in Zukunft eine viel größere Aufmerksamkeit, auch auf höchster politischer Ebene. Trotzdem: Ein schwaches Abkommen wäre schlimmer als keines – es würde Stillstand als Fortschritt verkaufen. Oberste Priorität muss eine effektive Lösung der Krise sein. Kein fauler Kompromiss, der den Status quo zementiert und der fossilen Industrie erlaubt, weiter Kasse zu machen, indem sie die Welt mit Müll flutet. Ein wirksames Abkommen muss klare Ansagen machen: Plastikproduktion reduzieren, gefährliche Chemikalien und unnötiges Einwegplastik verbieten, Mehrweg fördern und den globalen Süden fair bei den Kosten unterstützen.
Ein Abkommen wäre eine historische Chance, Menschen, Umwelt und Klima vor der Plastikkrise zu schützen. Deutschland und die EU müssen mutig sein, statt sich auf einen Kompromiss zu fixieren. Die Profite der fossilen Industrie dürfen nicht länger mehr wert sein als der Planet, auf dem wir leben.”
Pressemitteilung Greenpeace
Deutsche Umwelthilfe zum UN-Abkommen gegen Plastikmüll: „Rückschlag im Kampf gegen wachsende Müllberge“
In Genf gab es heute vorerst keine Einigung für das UN-Abkommen gegen Plastikmüll.
Hierzu erklärt Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH):
„Jährlich landen bis zu 23 Millionen Tonnen Plastikmüll in unseren Gewässern, Mikroplastik findet sich im menschlichen Körper, in Tieren und Pflanzen. Dass es vorerst kein UN-Abkommen gegen Plastikmüll geben wird, ist eine herbe Enttäuschung. Aber auch ein schwaches Abkommen wäre ein leeres Lippenbekenntnis, anstatt die Grundlage für die globale Arbeit an echten Lösungen zu bilden. Um das Übel bei der Wurzel zu packen, hätten die Staaten die Absicht festhalten müssen, die exzessive Plastikproduktion zu verringern. Jetzt gilt es umso mehr, auf nationaler Ebene die Umweltauswirkungen von Plastikmüll durch konkrete Maßnahmen einzuschränken und nicht auf die Verabschiedung eines Abkommens zu warten, um aktiv zu werden. Deutschland trägt dabei eine besondere Verantwortung, weil hierzulande mit rund 18 Millionen Tonnen die EU-weit größte Menge an Verpackungsmüll verursacht wird. Gleichzeitig demonstriert unser weltweit einzigartiges nationales Mehrwegsystem für Getränke, wie die richtigen Lösungsansätze aussehen. Durch jede Wiederverwendung einer Mehrwegflasche wird unnötiger Plastikmüll vermieden. Umweltminister Schneider sollte nach dem gescheiterten UN-Abkommen Mehrweg endlich konsequent fördern – durch eine Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einweg-Getränkeverpackungen wie Plastikflaschen sowie 50 Cent auf Einweg-Takeaway-Verpackungen.“
Hintergrund:
Der Vorsitz der Verhandlungen hatte in der Nacht einen neuen Textvorschlag für das Abkommen vorgelegt, über den kein Konsens der über 180 verhandelnden Staaten erreicht werden konnte. Über eine mögliche Fortführung der Verhandlungen soll noch im Rahmen dieser Verhandlungsrunde entschieden werden.
Pressemitteilung DUH