Protest vor der Jahreshauptversammlung von Vattenfall

Umweltorganisationen fordern Ende der Verbrennung von Kohle, Gas und Holz
Einen Tag vor der Jahreshauptversammlung des Energiekonzerns Vattenfall protestieren Umwelt- und Klimaorganisationen vor der Vattenfall-Deutschland-Zentrale in Berlin gegen die Verbrennung von Kohle, Gas und Holz in Kraftwerken.

 

Unter dem Motto “Klimaschutz? Vattenfail!” fordern die neun Gruppen, darunter der Naturschutzbund Deutschland (NABU), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), ROBIN WOOD, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) und das Klimabündnis “Berlin Erneuerbar” den schwedischen Energiekonzern auf, statt kohlenstoffreicher Brennstoffe auf klimafreundliche Technologien wie Geothermie und Wärmepumpen umzusteigen und endlich den Weg für die Rekommunalisierung des Berliner Wärmenetzes frei zu machen. Auch in Stockholm, Amsterdam und Brüssel finden aus obigem Anlass Aktionen gegen Vattenfall statt.

Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer, kommentiert: “Von Kohle auf Holz umzusatteln, ist eine Milchmädchenrechnung: Die Verbrennung von Holz zerstört Wälder und setzt das darin gebundene CO2 frei. Nachwachsender Wald braucht viele Jahrzehnte, um dieselbe CO2-Menge erneut zu binden. Vattenfall betreibt Fake-Klimaschutz. Die Idee, in Berlin künftig die fünffache Menge an Holz zur Wärmerzeugung zu verbrennen, führt das deutlich vor.”

Sascha Müller-Kraenner, DUH-Bundesgeschäftsführer: “Um das 1,5-Grad-Limit einhalten zu können, müssen alle Ressourcen in die Umstellung auf wirklich erneuerbare Energiequellen gesteckt und Wälder als natürliche Kohlenstoffsenken geschont werden. Die nächsten zehn Jahre sind dafür entscheidend. Jetzt noch auf die Verbrennung von Kohle, Gas und Holz zu setzen, können wir uns angesichts der fortgeschrittenen Klimakrise nicht mehr leisten.”

Jana Ballenthien, ROBIN WOOD-Waldreferentin: “Vattenfall hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Der Konzern gibt sich ökologisch und klimafreundlich, aber er handelt nicht entsprechend. Vielmehr ist Vattenfall ein Treiber für die Zerstörung wertvoller Ökosysteme, wenn er verstärkt auf Holzverbrennung setzt. Für den Klima- und Artenschutz sind intakte Wälder unersetzlich.”

Lisa Kadel von BürgerBegehren Klimaschutz: “In Berlin haben wir durch unsere Petition die Meinung der Berliner Bürger*innen eingeholt. Mit 15.185 Stimmen können wir sagen, dass das Wärmenetz von Vattenfall zurück an die Stadt Berlin verkauft werden muss. Das ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Wärmewende, die nicht nur für Klimaschutz, sondern auch für sozialen Ausgleich sorgt.”

Anja Behrens von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit fügt hinzu: “Der Wärme- und Gebäudesektor verursacht fast die Hälfte der Berliner Treibhausgasemissionen. Zur Einhaltung der Berliner Klimaschutzziele muss die Wärmeversorgung schnellstmöglich und sozialverträglich dekarbonisiert werden. Das bedeutet raus aus Kohle, raus aus fossilem Gas und Öl und raus aus dem Verheizen unserer Wälder. Zusätzlich zum Klima schützen wir so auch die Gesundheit, denn die Verbrennung von fossilen Energien und von Holz verursacht große Mengen an gesundheitsschädlichem Feinstaub.”

Für die Fernwärmeversorgung sollten lediglich emissionsfreie Technologien ausgebaut werden, zum Beispiel Geothermie sowie Großwärmepumpen, die Abwärme aus Abwasser, Flüssen oder Industrie nutzen. Dass eine vollständige Dekarbonisierung der Fernwärme in Berlin bis 2035 ohne Einsatz von Biomasse möglich ist, belegt eine vom Bündnis “Berlin erneuerbar” beauftragte Potenzialstudie. Seitens des Berliner Energietisches wird darauf verwiesen, dass die Vereinbarung des Landes Berlin mit Vattenfall über “Kriterien zur Nachhaltigkeit der Beschaffung von holzartiger Biomasse” keine soziale und ökologische Nachhaltigkeit garantiert.

Hintergrund:

Vattenfall setzt derzeit in den Niederlanden, Schweden und in Deutschland auf die industrielle Holzverbrennung. Allein in Berlin soll sie bis 2027 auf 450.000 Tonnen pro Jahr erhöht werden – im Vergleich zum derzeitigen Stand wäre das eine Verfünffachung. Im Jahr 2021 mit dem Berliner Senat geschlossenen Vertrag werden die CO2- Emissionen aus der Verbrennung von Holzbiomasse mit Null angesetzt. Holzverbrennung ist aber nicht CO2-neutral, sondern setzt pro Energieeinheit sogar mehr CO2 frei als die Verbrennung von fossilen Energieträgern. Bei der geplanten Steigerung der Holzverbrennung auf 450.000 t/Jahr würden jährlich über 800.000 t CO2 ausgestoßen.

Neue Holzheizkraftwerke sind in Berlin an den Standorten Klingenberg und Reuter-West geplant. Aktuell stammen etwa zwei Drittel der 85.000 t, die in den Kraftwerken Märkisches Viertel und Moabit verheizt werden, aus Waldholz. Dieser Anteil wird sich voraussichtlich in Zukunft auf 90 Prozent erhöhen, obwohl die bereits jetzt 2000 ha einnehmenden Pappelplantagen stark ausgeweitet werden sollen.

Die direkte energetische Nutzung von Holz sorgt dafür, dass der Holzeinschlag in Europa stark zunimmt und sich so die natürliche CO2-Senkenleistung der Wälder verringert. Statt Holz zu verfeuern, sollte es entweder zum Biodiversitäts- und Klimaschutz im Ökosystem Wald verbleiben oder stofflich, z.B. als Bau- oder Dämmstoff, genutzt werden. Nur so bleibt klimaschädliches CO2 für einen möglichst langen Zeitraum im Holz gebunden.

Pressemitteilung NABU

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