Schlechte Ernte, falsche Antwort

NABU fordert Kurswechsel bei Agrarförderung
Brändle: Milliarden nicht pauschal über die Fläche verteilen, sondern in widerstandsfähige Betriebe investieren

Heute (2.9.) hat das Bundeslandwirtschaftsministerium seine amtliche Erntebilanz 2026 veröffentlicht. Wenig überraschend zeigen die Zahlen einmal mehr, wie stark die Landwirtschaft unter den Folgen der Klimakrise leidet. Hitze, Trockenheit und fehlende Niederschläge haben in einigen Regionen zu Ertragseinbußen geführt. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer will daher kurzfristig Liquiditätshilfen anbieten und die pauschalen Flächenprämien der EU-Agrarförderung (GAP) aufstocken. Der NABU kritisiert insbesondere das Vorhaben zur Anhebung der pauschalen Flächenprämien deutlich. Die Agrarpolitik müsse endlich stärker auf Vorsorge statt Nachsorge setzen. Statt Geld pauschal pro Hektar zu verteilen, gelte es durch zusätzliche Öko-Regelungen jene landwirtschaftlichen Betriebe zu stärken, die bereits heute besonders klima- und ressourcenschonend wirtschaften.

„Herr Minister Rainer, die Erntebilanz ist ein weiterer Weckruf: Wir müssen jetzt in eine widerstandsfähige Landwirtschaft investieren, statt zu versuchen die Folgen von Wetterextremen Jahr für Jahr mit Hilfszahlungen abzufedern. Mehr Vielfalt auf den Äckern, Hummusaufbau, Agroforstsysteme und ein besserer Wasserrückhalt machen Betriebe robuster und stärken zugleich den Natur- und Klimaschutz“, sagt Phillip Brändle, Agrarexperte des NABU-Bundesverbands.

Rainer hat u.a. angekündigt, seinen Spielraum bei den Direktzahlungen 2027 vollständig auszuschöpfen. Dadurch sollen diese um rund 800 Mio. Euro auf insgesamt rund 4,9 Mrd. Euro ansteigen. Der Löwenanteil dieses Geldes soll offenbar auf die pauschale Flächenprämien entfallen. Für Öko-Regelungen stehen dann voraussichtlich weitere 200 Mio. Euro zur Verfügung. „Damit eröffnen sich finanzielle Spielräume für die zusätzlichen Ökoregelungen zur Förderung der Weidetierhaltung und des Biotopverbunds“, so Brändle. „Auf diese Förderung warten viele Betriebe seit langem. Sie sind Vorsorge statt Nachsorge. Deshalb sollte sie der Bundeslandwirtschaftsminister nun endlich voranbringen, statt immer neue Gründe gegen ihre Einführung zu suchen.“

Klar ist: Agrarsubventionen, die mit der Gießkanne verteilt werden, helfen weder den von Wetterextremen betroffenen Betrieben noch verhindern sie Ernteausfälle durch Hitze und Dürre. Zudem tragen Direktzahlungen weit weniger zur Ernährungssicherung bei als häufig behauptet, wie eine aktuelle NABU-Studie des NABU zeigt. Selbst bei einem vollständigen Wegfall der GAP-Zahlungen würden die landwirtschaftlichen Produktionsmengen in Deutschland je nach Szenario lediglich um bis zu 2,8 Prozent zurückgehen. Beim Weizen würde der Selbstversorgungsgrad von rund 134 auf etwa 129 Prozent sinken – und damit weiterhin deutlich über dem Eigenbedarf liegen.

Pressemitteilung NABU

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