Schnee und Frost locken mehr Menschen ans Futterhaus,

… aber weniger Vögel
Stunde der Wintervögel mit Rekord / große Rückgänge bei Haussperlingen in Hamburg und bundesweit / Kohlmeise steht in Hamburg an der Spitze

 

Mehr als 145.000 Menschen haben bei der „Stunde der Wintervögel“ am zweiten Januarwochenende mitgemacht und mehr als 3,27 Millionen Vögel in über 102.000 Gärten und Parks gezählt. „Das ist das drittbeste Teilnehmenden-Ergebnis aller 16 Zählungen und ein Plus von etwa 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, freut sich NABU-Naturschutzexperte Julian Heiermann. Er vermutet: „Schnee und Frost haben für das passende Winter-Feeling gesorgt, so dass viele Menschen Lust hatten, sich mit den Wintervögeln im Garten zu beschäftigen.“ In Hamburg haben sich 2.605 Menschen beteiligt, deutlich mehr als im Vorjahr (1.943 Teilnehmer*innen).

Weniger erfreulich sind die Ergebnisse der Zählung. Mit im Schnitt gesichteten 32 Vögeln wurden bundesweit noch nie so wenig Individuen pro Garten oder Park gemeldet wie in diesem Jahr. In Hamburg waren es sogar nur 23 Vögel pro Garten. Zur ersten Zählung 2011 waren noch 45,8 Vögel im Bundesdurchschnitt gemeldet worden. „Über die vielen Jahre ,Stunde der Wintervögel‘ lässt sich leider ein stetiger Abwärtstrend beobachten“, stellt Heiermann fest. „Damit reihen sich auch häufige Arten, wie Amseln, Meisen, Finken und Spatzen in den zunehmenden Schwund der Vogelbestände ein, wenn es auch hier nicht so dramatisch abwärts geht, wie das bei den Agrarvögeln der Fall ist.“

Spatzenverluste in den beiden größten Städten

Besonders auffällig ist der große Rückgang der beiden Spatzenarten. Bundesweit wurden sie 15 Prozent (Haussperling) und 10 Prozent (Feldsperling) seltener gesichtet als im Vorjahr. Am stärksten betroffen sind Hamburg und Berlin: Die Sichtungen des Feldsperlings lagen in diesem Jahr in Hamburg um 15 Prozent niedriger als 2025 in Berlin waren es sogar 30 Prozent. Beim Haussperling sind es in Hamburg sogar 47 Prozent weniger, in Berlin 45 Prozent. „Wo all die Spatzen hin sind, müssen wir nun genauer untersuchen“, sagt Marco Sommerfeld, Referent für Vogelschutz beim NABU Hamburg. „Klar ist, dass Brutplatz- und Nahrungsmangel seit Jahren ein Problem für die beiden Arten sind.“

Wo Verlierer sind, gibt es auch Gewinner: Kohlmeise, Blaumeise, Amsel, Buchfink und Rotkehlchen kamen teils deutlich häufiger als im Vorwinter an die Futterhäuser. Auf diese fünf Arten entfällt in nahezu allen Regionen der Löwenanteil an Zunahmen. Von den mittelhäufigen Arten zeigten unter anderem Schwanzmeisen, Goldammern und Zaunkönige Beobachtungsanstiege.

Trotz seines Negativtrends liegt der Haussperling bundesweit immer noch ganz vorn in der Rangliste der am häufigsten gesichteten Vögel. Es folgen Kohlmeise, Blaumeise, Amsel und Feldsperling. In Hamburg hat es bei den ersten drei Plätzen keine Veränderung gegeben: Die Kohlmeise ist erneut Hamburgs Wintervogel, gefolgt von Blaumeise und Amsel. Das Zählergebnis der Amsel sorgte bei den Ornithologen für Erleichterung. Sie wurde in Hamburg wieder deutlich öfter gesehen, nachdem ihr Bestand in den letzten Jahren sehr unter dem Usutu-Virus gelitten hatte. Ebenfalls erfreulich: Auch Buchfink und Rotkehlchen tauchten wieder häufiger auf.

Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion und wird vom NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) durchgeführt. Die Aktion liefert in enorm hoher Auflösung Daten zur Winter-Bestandsentwicklung häufiger Arten des Siedlungsraums. Je größer die Teilnahmezahlen und je länger die Zeitreihe, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Die nächste Zählaktion ist die „Stunde der Gartenvögel“ und findet vom 8. bis 10. Mai statt.

Mehr Infos zur Aktion: www.stundederwintervoegel.de

Pressemitteilung NABU Hamburg

ergänzende PM des NABU Verbandes Deutschland:

Eisflucht der Wasservögel

„In vielen Regionen wurden deutlich weniger Wasservögel wie Enten, Gänse, Schwäne, Blesshühner, Möwen und Haubentaucher gemeldet“, so Heiermann. „Grund war das Zufrieren von Dorf- und Parkteichen und anderen kleinen Gewässern. Die Vögel wichen an eisfreie große Seen und Flüsse außerhalb der Siedlungen aus und wurden so nicht erfasst.“

Vereinzelt wurden dem NABU auch sehr ungewöhnliche Arten gemeldet, etwa ein aus einem Auswilderungsprogramm stammender Bartgeier in Bayern und drei Rosenköpfchen-Papageien im Kreis Vorpommern, die wohl aus einer Voliere entflogen waren. Mit Fotos belegte Sichtungen von Wiedehopfen zeigen, dass einige dieser Zugvögel neuerdings versuchen, bei uns zu überwintern.

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