“Break Free From Tyrants”

Münchener Sicherheitskonferenz: Greenpeace-Aktivist:innen entrollen Banner an Kran: Überdimensionierte Gasimporte aus USA und Russland gefährden Energiewende
Greenpeace-Aktivist:innen protestieren mit der Botschaft “Break Free From Tyrants” auf einem rund 90 Quadratmeter großen Banner am frühen Morgen an einem Baukran nahe der Münchener Sicherheitskonferenz. Zehn Kletteraktivist:innen entrollten über dem Marienhof das Transparent in etwa 60 Metern Höhe. Grund für die Aktion ist die europäische Abhängigkeit von Flüssiggaslieferungen aus Russland und den USA.

Sowohl US-Präsident Trump als auch der russische Präsident Putin nutzen Energielieferungen als Druckmittel. “Wer über Sicherheit spricht, muss auch über Energiepolitik sprechen”, sagt Marina Falke, Energieexpertin von Greenpeace. “Die europäische Fixierung auf fossile Gaslieferungen stärkt unberechenbare Machthaber wie Trump und Putin.”

Überdimensionierter LNG-Ausbau widerspricht EU-Plänen

Seit Jahresbeginn erreicht pro Woche mindestens ein mit US-Flüssiggas beladener Tanker deutsche Häfen. Die so importierten 730 Millionen Kubikmeter an US-LNG entsprechen 91 Prozent der insgesamt nach Deutschland importierten LNG-Menge. Der Wert der US-Importe seit Jahresbeginn addiert sich auf 234 Millionen Euro. Vergangenen Sommer hat die EU US-Präsident Donald Trump zugesagt, bis 2030 Energie im Gegenwert von 750 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Der Wert der bereits bestehenden EU-Lieferverträge für US-Flüssiggas beläuft sich auf rund 190 bis 210 Milliarden Euro. “Wenn Europa Donald Trump jetzt Energie für weitere 750 Milliarden Dollar abkaufen will, dann birgt das Kosten- und auch Sicherheitsrisiken”, sagt Marina Falke, “Deutschland darf sich nicht von unzuverlässigen Regierungen abhängig machen, die Vereinbarungen einseitig aufkündigen oder an immer neue Bedingungen knüpfen.”

Wird der bereits beschlossene EU-Plan zu einer beschleunigten Energiewende – RePowerEU – konsequent umgesetzt, entsteht kein zusätzlicher Bedarf an LNG-Importen, zeigt ein Greenpeace-Hintergrundpapier. Dieser EU-Plan wurde nach dem russischen Überfall auf die Ukraine beschlossen, um Europa schneller unabhängig von fossilen Energieimporten zu machen – vor allem durch den Ausbau erneuerbarer Energien, mehr Energieeffizienz und eine stärkere Vernetzung der Stromsysteme.
Protest auf dem Marienplatz geplant

Für den Vormittag haben Greenpeace-Aktivist:innen eine weitere Demonstration auf dem Marienplatz angekündigt, in unmittelbarer Nähe der Münchener Sicherheitskonferenz. Mit überlebensgroßen, aufblasbaren Skulpturen des US-Präsidenten Donald Trump und des russischen Präsidenten Wladimir Putin fordern sie auf Bannern “Sichere Energie statt Gas-Abhängigkeit”. Die beiden abgebildeten Regierungschefs stehen auf einem 10 Meter langen Modell eines Gas-Tankers, auf dessen Längsseite “Fossil Gas” steht. “Der Weg in die europäische Unabhängigkeit und Energiesicherheit führt nur über einen vollständigen Gasausstieg, eine Wärmewende, die neben dem Heizungstausch auch Sanierungsmaßnahmen einbezieht, und den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien”, sagt Marina Falke.

Pressemitteilung Greenpeace


„Sichere Energie statt Gas-Abhängigkeit“

Münchner Sicherheitskonferenz: Greenpeace-Aktivist:innen demonstrieren für europäische Energieunabhängigkeit
Mit überlebensgroßen Skulpturen des US-Präsidenten Donald Trump und des russischen Präsidenten Wladimir Putin protestieren Greenpeace-Aktivist:innen am Freitag, den 13. Februar auf dem Marienplatz in München. Die beiden Regierungschefs stehen auf einem 10 Meter langen Modell eines Gas-Tankers, auf dessen Längsseite “Fossil Gas” steht.

Greenpeace-Aktivist:innen halten Banner mit der Aufschrift “Sichere Energie statt Gas-Abhängigkeit” und “Break Free From Tyrants”.

Anlass ist der Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz∗, zu der auch US-Außenminister Marco Rubio erwartet wird. Die Greenpeace-Aktivist:innen protestieren gegen anhaltende Gaslieferungen aus Russland über Altverträge und die wachsende Abhängigkeit der EU von klimaschädlichem Flüssiggas aus den USA (LNG). Europa und Deutschland dürfen nicht von unzuverlässigen Handelspartnern abhängig sein, die Wirtschaftsvereinbarungen als Druckmittel nutzen. Darum braucht es den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien, so die Protestierenden.

Pressemitteilung Greenpeace (10.2.)


BUND zur Münchner Sicherheitskonferenz 2026: Erneute Gasabhängigkeit ist Sicherheitsrisiko

Vor dem Start der 62. Münchner Sicherheitskonferenz warnt Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor den sicherheitspolitischen Risiken neuer fossiler Abhängigkeiten. Auf den fatalen Zusammenhang von Klimakrise, Energie- und geopolitischen Interessen weisen auch der renommierte Sicherheitsexperte PD Dr. Frank Sauer, Head of Research, Metis Institut für Strategie und Vorausschau, Universität der Bundeswehr München, und Raena Garcia, LNG-Expertin, Friends of the Earth US, der BUND-Partnerorganisation, hin.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Die Sicherheit in Europa wird durch neue Abhängigkeiten bei fossilen Energieimporten gefährdet. Gerade die langfristige Bindung an klimaschädliche Erdgaslieferungen schwächt Europas außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit. Das erhöht die Verwundbarkeit durch ökonomischen Druck und geopolitische Erpressbarkeit. Gas ist ein strategisches Risiko und kein neutraler ‚Brückenbrennstoff‘ auf dem Weg aus der fossilen Abhängigkeit. Echte Sicherheit entsteht durch den schnellen Ausstieg aus fossilen Energien, den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren, Elektrifizierung und Energieeinsparung. Energiesouveränität und die Bekämpfung der Klimakrise sind zentrale Aufgaben der europäischen Sicherheitsagenda.“

Frank Sauer, Sicherheitsexperte der Universität der Bundeswehr München: „Die Nationale Interdisziplinäre Klimarisiko-Einschätzung hat gezeigt: Klima und Sicherheit hängen unmittelbar zusammen. Dass Putin Deutschland einfach den Gashahn zudrehen konnte, muss uns eine Lehre sein. Statt neuer fossiler Abhängigkeiten, die erneut als Waffe eingesetzt werden können, müssen Energiesouveränität und Resilienz unsere Ziele sein.“

Raena Garcia, LNG-Expertin, Friends of the Earth US, appelliert an die Europäer, keine neuen Gasverträge mit US-Unternehmen abzuschließen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Donald Trump den Planeten für die Profite der großen Gas und Ölkonzerne opfert. Die Agenda der Trump-Regierung ist Energiedominanz. Sie ist wissenschaftsfeindlich und missachtet das Völkerrecht und die Menschenrechte. Europa darf sich nicht zu kostspieligen langfristigen LNG-Verträgen zwingen lassen, die sich nur in höheren Treibhausgasemissionen und ausufernden Stromrechnungen für die US-Verbraucher*innen niederschlagen würden.“

Hintergrund:

Die deutsche und europäische Gasversorgung bleibt trotz des Ausstiegs aus russischem Gas strategisch verwundbar. Die Diversifizierung konzentriert sich auf wenige Länder. Ein großer Teil des über Pipelines gelieferten Erdgases stammt aus Norwegen. Die Mehrheit der europäischen LNG-Importe stammen aus den USA. Die deutsche und europäische Gasversorgung ist damit auf wenige Lieferländer konzentriert. LNG-Lieferungen aus den USA und dem Nahen Osten verschieben die Abhängigkeit lediglich, statt sie zu verringern, und machen Deutschland gleichzeitig anfällig für volatile Preise auf dem globalen Gasmarkt. Langfristige Verträge sichern kurzfristig Versorgung, erhöhen aber politische Risiken und bedrohen Klima- und Sicherheitsziele. Energiesouveränität kann nur im Einklang mit den Klimazielen erreicht werden und erfordert daher konsequenten Ausstieg aus fossilem Gas, den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien, Elektrifizierung und Effizienz sowie regional widerstandsfähige Energiesysteme wie Bürger*innenenergie – Energie produziert und kontrolliert von Menschen für Menschen.

Pressemitteilung BUND (12.2.)

∗ im Hotel Bayerischer Hof

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