Zum Tag des Waldes am 21. März fordert der NABU Hamburg ein Moratorium für dieHolzernte in Hamburgs Wäldern, also einen vorübergehenden Stopp der forstwirtschaftlichen Nutzung und Rodung. Viele Waldflächen zeichnen sich durch eine hohe Artenvielfalt aus, die durch forstwirtschaftliche Eingriffe gefährdet ist. Angesichts des dramatischen Verlusts von Arten und Lebensräumen ist es nicht länger vertretbar, stadteigene Wälder weiterhin forstwirtschaftlich zu nutzen.
Auch für die Umsetzung des erfolgreichen Zukunftsentscheids, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu sein, können Hamburgs Wälder eine entscheidende Rolle spielen.
„Während sich die rot-grüne Regierung in ihrem letzten Koalitionsvertrag von 2020 noch vorgenommen hatte, in jedem Bezirk eine neue Waldfläche entstehen zu lassen, kommt das Wort Wald im aktuellen Koalitionsvertrag noch genau einmal vor. Die Prioritätensetzung des Hamburger Senats lässt sich also Schwarz auf Weiß nachlesen. Immerhin wird dem Wald noch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz zugesprochen – dann sollte man aber auch danach handeln. Es ist möglich und sinnvoll die Gemeinwohlfunktionen des Waldes für Erholung und Klima höher zu bewerten als die geringen Einnahmen aus den Holzverkäufen“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburg.
Die Stärkung des natürlichen Klimaschutzes ist dabei genauso wichtig wie die Reduzierung von Emissionen. Waldflächen müssen ihre Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern, wieder erlangen und so zu CO2-Senken werden. Insbesondere, um die Emissionen anderer Sektoren auszugleichen. Die Speicherung von CO2 im Wald erfolgt zu rund 40 % im Holz und zu rund 60 % im Waldboden. Dieser wird bei der Holzernte durch schwere Maschinen aufgerissen und zerstört. Wenn der Wald nicht mehr bewirtschaftet wird, kann mehr CO2 in der anwachsenden Holzmasse und im intakten Waldboden gespeichert werden.
„Für die gesamtdeutsche Holzversorgung spielt Hamburg eine verschwindend geringe Rolle. Die Holzqualität aus Hamburgs Wäldern ist eher niedrig, oft werden daraus kurzlebige Produkte wie Paletten oder Pressspan produziert. Zu viel Holz geht außerdem in die Verbrennung. Das macht ökologisch keinen Sinn. Zudem ist zweifelhaft, ob die Kosten für die Holzernte, bei Berechnung aller Faktoren, durch die Einnahmen gedeckt sind. Es wäre also auch ökonomisch verantwortungsvoll auf Einschläge zu verzichten“, sagt Caroline Kouptsidis, Mitglied der NABU-Fachgruppe Wald.
Hintergrund:
Mit einem Waldanteil von ca. 7,1 % gehört Hamburg zu den waldärmsten Bundesländern. Jede weitere Holzentnahme schwächt Hamburgs Wälder, da die verbleibenden Flächen eine überproportionale Bedeutung für die Erholung und den Naturschutz haben. Auch bei einem Einschlagsmoratorium können Hamburgs Förstereien weiterhin Baumpflegearbeiten durchführen und damit ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen.
Pressemitteilung NABU Hamburg