Anlässlich der zweiten Nationalen
Verkehrssicherheitskonferenz am 14. April fordert der ökologische Verkehrsclub VCD einen grundlegenden Kurswechsel in der Verkehrspolitik hin zur Vision Zero. Trotz ambitionierter Ziele der Bundesregierung stagniert die Verkehrssicherheit in Deutschland – insbesondere für ungeschützte Verkehrsteilnehmende wie Fußgänger*innen und Radfahrende.
„Der Straßenverkehr muss endlich sicherer werden. Jede im Verkehr getötete Person ist eine zu viel. Stattdessen ist der Straßenverkehr in Deutschland noch gefährlicher geworden: 2.814 Menschen wurden im letzten Jahr im Straßenverkehr getötet. Das sind 44 Verkehrstote mehr als im Vorjahr. 62 Prozent der Getöteten waren 2024 innerorts zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Wer sich ohne Auto bewegt, trägt ein unverhältnismäßig hohes Risiko. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis politischer Versäumnisse“, sagt Christiane Rohleder, Bundesvorsitzende des ökologischen Verkehrsclubs VCD.
Besonders im Stadtverkehr kommt es zu schweren Unfällen, häufig an Kreuzungen. Zu hohe Geschwindigkeiten, unsichere Infrastruktur und immer größere Fahrzeuge verschärfen die Gefahrenlage. Gleichzeitig bleiben viele wirksame Maßnahmen bislang ungenutzt oder werden nur zögerlich umgesetzt. „Oft werden Hinweise aus der Bevölkerung auch einfach nicht ernst genug genommen. Gerade erst wurde in Berlin in der Tautenburger Straße ein Kind schwer verletzt, obwohl eine Anwohnerinitiative dort seit langem auf die Gefahren hinweist und Tempo 30 fordert“, so Rohleder.
„Wir wissen längst, was wirkt: Tempo 30 in geschlossenen Ortschaften halbiert den Anhalteweg gegenüber Tempo 50 und reduziert Unfallrisiko und Unfallschwere deutlich. Sichere Infrastruktur rettet Leben. Statt auf Appelle an das Verhalten Einzelner zu setzen, muss die Politik Straßen so gestalten, dass Fehler nicht tödlich enden“, so Anika Meenken, VCD-Sprecherin für Radverkehr und Mobilitätsbildung. „Auch auf Landstraßen wird die wirksamste Maßnahme – Tempo 80 – weiter ignoriert.“ Rohleder ergänzt: „Hier wird die Freiheit, schnell zu fahren, über Menschenleben gestellt. Das ist unverantwortlich“.
Die Bundesregierung will die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 um 40 Prozent senken. Doch ohne wirksame Maßnahmen wird dieses Ziel verfehlt. Der VCD fordert die Bundesregierung deshalb auf, die Verkehrssicherheit endlich zur Priorität zu machen und konsequent zu handeln: Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts, der Ausbau sicherer Infrastruktur, wirksamer Schutz für Kinder sowie mehr Handlungsspielraum und Mittel für Kommunen – auch für konsequente, digitale Verkehrskontrollen.
Nur mit einem entschlossenen politischen Kurswechsel kann die Zahl der Verkehrstoten deutlich gesenkt werden.
Pressemitteilung VCD
Greenpeace-Berechnung: Tempolimit kann Autofahrende um bis zu 9,5 Milliarden Euro im Jahr entlasten
Haushalte könnten im Schnitt bis zu 240 Euro sparen
Eine Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen und Landstraßen kann Autofahrenden in Deutschland jährlich Milliarden Euro an Tankkosten sparen. Bei einem
Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen und 100 km/h auf Landstraßen addieren sich die Einsparungen beim aktuellen Niveau des Spritpreises auf 4,9 Milliarden Euro. Dies zeigt eine heute veröffentlichte Berechnung von Greenpeace. (https://act.gp/4vpMAQN) Eine konsequente Begrenzung der Geschwindigkeit auf 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen könnte die Autofahrenden jährlich sogar um 9,5 Milliarden Euro an Tankkosten entlasten. “In der aktuellen Lage muss man nicht lange überlegen. Ein Tempolimit senkt den Spritverbrauch und damit die Tankrechnungen der Menschen um Milliarden. Es macht uns weniger abhängig von unsicheren Ölimporten und bringt den Klimaschutz voran”, sagt Greenpeace-Sprecher Matthias Lambrecht. “Wenn anderswo schon der Sprit knapp wird, kann die Bundesregierung nicht an einem gestrigen Recht auf Rasen festhalten, das Milliarden Liter Sprit verschwendet.”
Die Bundesregierung diskutiert aktuell über Entlastungsmaßnahmen angesichts hoher Energiepreise. Vorteile eines Tempolimits für den Klimaschutz sind länglich dokumentiert, die positiven Auswirkungen für die Verkehrssicherheit weitgehend unbestritten. Auf Basis des durchschnittlichen Spritpreises zwischen dem 1. und 7. April gibt Deutschland pro Jahr gut 98 Milliarden Euro für Pkw-Kraftstoffe aus. Ein Tempolimit kann diese Summe sofort und ohne Infrastrukturkosten senken. Bereits ein moderates Limit von 130 km/h auf Autobahnen und 100 km/h auf Landstraßen würde die bundesweite Tankrechnung um rund 2,8 Milliarden Euro entlasten.
Spürbare Entlastung für Haushalte
Die Einsparungen machen sich direkt im Portemonnaie der Bürger:innen bemerkbar. Ein Haushalt mit im Schnitt 1,2 Pkw zahlt derzeit bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 12.300 Kilometern etwa 2490 Euro pro Jahr für Sprit. Bei einem Tempolimit von 100 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen spart dieser Haushalt im Schnitt 189 Euro pro Jahr. Besonders profitieren Pendler mit Diesel-Fahrzeugen: Hier liegt das Einsparpotenzial bei einer Umstellung auf 100/80 sogar bei 274 Euro jährlich.
Neben finanziellen Vorteilen bietet ein Tempolimit auch strategische Vorteile: Je nach Szenario senkt es den bundesweiten Kraftstoffverbrauch um 2,2 bis 7,6 Prozent. “Wir lernen gerade schmerzhaft, was es heißt, von einem Dealer abhängig zu sein”, so Lambrecht. “Wir müssen weg vom Öl. Der Fokus der Bundesregierung sollte jetzt darauf liegen, den Verbrauch schnell zu senken. Ein Tempolimit ist dabei ein leichter erster Schritt.”
Pressemitteilung Greenpeace