Wildtiere leiden unter Böllerei / NABU ford
ert Verbot von privatem Feuerwerk
Wer Glück für das neue Jahr möchte, sollte nach altem Glauben die Gänse nicht verärgern – sonst fliegt das Glück mit der Gans davon. Demnach dürfte es 2026 weniger Glück geben, denn die Importe von Feuerwerk nach Deutschland sind in diesem Jahr stark gestiegen, und die Silvester-Böllerei belastet ganz besonders Vögel und andere Wildtiere.
Auch wenn seit einigen Jahren immer mehr Menschen fordern, die Böller und Raketen zu verbieten, in den Feuerwerkimporten spiegelt sich das nicht wider. Von Januar bis September 2025 wurden laut Statistischem Bundesamt mehr als 42.400 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland importiert. Das waren 62,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Uns steht möglicherweise Silvester eine noch größere Knallerei als in den Vorjahren bevor – mit entsprechend größeren Belastungen durch Feinstaub und Müllmengen. Auch die schädlichen Auswirkungen auf Wildtiere könnten noch zunehmen“, befürchtet NABU-Naturschutzexperte Julian Heiermann. Der NABU fordert schon seit vielen Jahren ein Verbot privater Silvesterknallerei und eine Beschränkung auf zentral organisierte Feuerwerke.
Vor allem Vögel reagieren stark auf Böller und Raketen. Heiermann: „Sie fliehen in große Höhen, landen für lange Zeit nicht und kehren nur zögerlich zu ihren Rast- und Schlafplätzen zurück. Wasservögel reagieren noch in vier bis sieben Kilometern Entfernung auf Feuerwerk mit Flucht.“ Wenn Vögel in Schwärmen in großer Panik flüchten, können sie gegen Glasscheiben oder Stromleitungen prallen. Auch Säugetiere wie Füchse, Biber und Fledermäuse geraten in Stress, unterbrechen ihre Ruhephasen und riskieren damit ihre Gesundheit. Dadurch verbrauchen sie viel Energie. Heiermann: „Das kann sogar lebensbedrohend werden, da sie die Energie zum Überleben in der kalten Jahreszeit benötigen.“
Lokale Verbotszonen in Innenstädten reichen nicht aus, sie können sogar kontraproduktiv sein. Heiermann: „Solche Regelungen führen oft dazu, dass Menschen auf freie Außenflächen ausweichen – mit der Folge, dass dort sensible Lebensräume und die Tierwelt massiv gestört werden.“
Auf Feuerwerk an Silvester muss aber nicht komplett verzichtet werden. Hier schlägt der NABU vor, dass Städte und Gemeinden zentrale Feuerwerke organisieren, vorzugweise Licht- oder Drohnenshows. Die Konzentration auf bestimmte Orte reduziert Müll und Lärm – so kann das neue Jahr umwelt- und naturfreundlicher begrüßt werden.
NABU-Standpunkt Feuerwerk: www.NABU.de/Feuerwerk
Pressemitteilung NABU
Friedliches und böllerfreies Silvester:
Deutsche Umwelthilfe und Hansestadt Lüneburg zeigen mit spektakulärer Drohnenshow Alternative zu Feuerwerk
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Hansestadt Lüneburg machen heute Abend auf dem Lüneburger Marktplatz sichtbar, wie ein zeitgemäßes Silvester ohne Böller funktioniert. Eine spektakuläre Inszenierung mit 200 Drohnen zeigt, dass moderne und stimmungsvolle Alternativen existieren – ohne gefährlichen Feinstaub, Verletzungen, Brände und massive Belastung der Rettungs- und Einsatzkräfte.
Die DUH fordert Bundesinnenminister Dobrindt auf, aktiv zu werden und durch eine einfache Änderung des Sprengstoffrechts bundesweit ein absolutes Böllerverbot zu erlassen. Die Petition des #böllerciao-Bündnisses dazu haben bereits mehr als 715.000 Menschen unterschrieben.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Jedes Jahr sterben durch Silvesterfeuerwerk Menschen, tausende werden verletzt. An keinem Tag ist die Luft schlechter, Tiere geraten in Panik und Rettungskräfte arbeiten am Limit. Kommunen wie Lüneburg stemmen sich mit großem Engagement gegen diese Entwicklung – aber sie können die Lücke der Bundespolitik nicht schließen. Innenminister Dobrindt muss endlich Verantwortung übernehmen und ein bundesweites und dauerhaftes Verbot privater Feuerwerkskörper beschließen. Mit unserer Drohnenshow zeigen wir, wie ein modernes, rauschendes Fest ohne Angst und ohne archaische Schwarzpulver-Böllerei aussehen kann: ein sicheres, gemeinschaftliches Silvester.“
Lüneburg nutzt bereits rechtliche Möglichkeiten, um privates Feuerwerk im Stadtgebiet zu begrenzen. In der gesamten historischen Innenstadt, im Naturschutzgebiet Kalkberg sowie im Bereich rund um das Kloster Lüne gilt ein absolutes Feuerwerksverbot. Erlaubt ist nur, was nicht lauter ist als eine Wunderkerze. Zugleich zeigt sich in der Hansestadt exemplarisch das Grundproblem: In Deutschland ist es den über 11.000 Kommunen überlassen, Verbotszonen zu entwickeln, während die Bundesregierung untätig bleibt. Es entsteht ein Flickenteppich, der weder Mensch noch Tier wirksam schützt.
Claudia Kalisch, Oberbürgermeisterin der Hansestadt Lüneburg: „Vielen Bürgerinnen und Bürgern ist Feuerwerk als Teil der Silvester-Tradition nach wie vor wichtig. Gleichzeitig ist es dringend, den Brandschutz, den Naturschutz und die Sicherheit der Menschen in der Silvesternacht ernst zu nehmen. Das entlastet auch Einsatzkräfte am Jahreswechsel. Mit den Verbotszonen haben wir gute Erfahrungen gemacht. Um auch Alternativen aufzuzeigen, stellt die Umwelthilfe heute mit der Drohnenshow ein beeindruckendes Beispiel vor.“
Drohneninszenierungen gewinnen bundesweit an Bedeutung und werden bereits ganzjährig für Stadtfeste, Kulturveranstaltungen und Unternehmen gebucht.
Erwin Wilms, Geschäftsführer Flying Stars: „Drohnen-Lichtshows schaffen beeindruckende gemeinsame Momente – ganz ohne Lärm und ohne Gefahren für Natur und Menschen. Wir freuen uns, gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe und der Hansestadt Lüneburg vielen Menschen zeigen zu dürfen, wie modern und faszinierend ein Jahreswechsel gestaltet werden kann.“
Hintergrund:
Dem Bündnis gehören insgesamt 59 Organisationen an: Deutsche Umwelthilfe, Gewerkschaft der Polizei, Bundesärztekammer, VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, TASSO, Jane Goodall Institut Deutschland, Deutscher Tierschutzbund, PETA Deutschland, Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner, Menschen für Tierrechte – Baden-Württemberg, NaturFreunde Deutschlands, Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln, Pro Wildlife e.V., Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e.V., Deutsche Tinnitus-Liga e.V., Bundesverband Bürohund e.V., Haustierregister FINDEFIX, Deutscher Naturschutzring (DNR) e.V., Retinologische Gesellschaft e.V., Welttierschutzgesellschaft e.V., Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft, Land der Tiere, Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V., Wildtierschutz Deutschland e.V., Deutsche Atemwegsliga, Deutsche Lungenstiftung, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. (VFD), Senior*innenvertretung Tempelhof-Schöneberg, Die Augenchirurginnen, Landesseniorenbeirat Berlin, Animals United e.V., Deutsche Tier-Lobby e.V., Rettet das Huhn e.V., Fortuna hilft e.V., Stiftung Hof Butenland, Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V., fuss e.V., KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, NAJU (Naturschutzjugend im NABU), Health for Future, Holi.social, Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Verband Neurodiversität, Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB), International Fund for Animal Welfare (IFAW), Bundesverband für Umweltberatung (bfub) e.V., Zero Waste Germany e.V., Naida e.V., Tierschutz-Entwicklungshilfe e.V., Berliner Behindertenverband e.V., ZUKE Green Community GmbH, Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. (BMT), KynoLogisch gemeinnützige GmbH, Deutsches Kinderhilfswerk, Bundesverband Tierschutz e.V., Hunderettung Europa e.V., Help for Strays e.V.
Pressemitteilung DUH