Die Bundesvereinigung gegen Fluglä
rm (BVF) hat gemeinsam mit Germanwatch und demVCD eine gemeinsame Stellungnahme zum Entwurf der Luftfahrtstrategie der Bundesregierung vorgelegt. Die Verbände begrüßen grundsätzlich das Ziel, eine langfristige Strategie für den Luftverkehr zu entwickeln, kritisieren aber die Richtung, die die Bundesregierung verfolgt.
Nach Auffassung der Bundesvereinigung ordnet die Strategie zentrale öffentliche Interessen wie Klimaschutz und die Gesundheit der von Fluglärm betroffenen Menschen weiterhin einer industriepolitischen Wachstumslogik unter.
„Deutschland braucht keine Luftfahrtpolitik, die fast ausschließlich auf Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Entlastung der Wirtschaft setzt. Eine zukunftsfähige Strategie muss Klima-, Gesundheits- und Mobilitätsinteressen gleichrangig berücksichtigen“, erklärt Werner Kindsmüller, Präsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm.
Die Vereinigung fordert die Bundesregierung auf, die Luftfahrtstrategie grundlegend zu überarbeiten und die Debatte über die zukünftige Rolle des Luftverkehrs in Deutschland gesellschaftlich deutlich breiter zu führen.
Kritisch bewertet die Bundesvereinigung gegen Fluglärm insbesondere die fehlende Einbettung des Luftverkehrs in eine nachhaltige Mobilitätsstrategie. Potenziale zur Verlagerung von Kurzstreckenverkehren auf die Schiene blieben weitgehend ungenutzt. Gleichzeitig fehle eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie der Luftverkehr mit den deutschen und europäischen Klimazielen vereinbar werden soll.
Auch die erheblichen gesundheitlichen Belastungen durch Fluglärm und luftverkehrsbedingte Schadstoffe würden im Entwurf nicht ausreichend berücksichtigt. Die Vereinigung fordert daher eine stärkere Orientierung an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wirksamen Nachtflugschutz sowie verbindliche Strategien zur Reduktion von Lärm- und Schadstoffbelastungen.
Die gemeinsame Stellungnahme macht zudem deutlich, dass technologische Innovationen allein nicht ausreichen werden, um die bestehenden Zielkonflikte des Luftverkehrs zu lösen. Notwendig seien zusätzlich Maßnahmen zur Verkehrsverlagerung, zur Reduktion vermeidbarer Flüge sowie eine stärkere Integration des Luftverkehrs in eine nachhaltige Mobilitäts- und Energiepolitik.
Pressemitteilung BVG (Bundesvereinigung gegen Fluglärm e.V.)
Neue Luftfahrtstrategie:
Wachstum wichtiger als Gesundheit und Klima
BIG fordert grundlegenden Kurswechsel in der Luftverkehrspolitik
Der Umweltverband BIG Fluglärm in Hamburg kritisiert den Entwurf der neuen Luftfahrtstrategie der Bundesregierung scharf. Die gemeinsame Stellungnahme der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF), Germanwatch und des Verkehrsclub Deutschland (VCD) bestätigt nach Auffassung des Verbands die grundlegenden Fehlentwicklungen der aktuellen Luftverkehrspolitik.
Der Entwurf stelle wirtschaftliche Wachstumsinteressen erneut über den Schutz von Klima, Gesundheit und Lebensqualität. Statt die Belastungen durch Fluglärm, Schadstoffe und Emissionen wirksam zu begrenzen, solle der Luftverkehr weiter wachsen.
Gerade Hamburg zeigt exemplarisch die Folgen dieser Politik: anhaltende Nachtflüge, hohe Fluglärmbelastungen und wachsende Konflikte um Gesundheit und Lebensqualität.
„Die Bundesregierung verkauft eine industriepolitische Wachstumsagenda als Zukunftsstrategie, ignoriert dabei aber bewusst die Realität der Menschen unter den Flugrouten. Gesundheitsschutz wird gepredigt, praktisch jedoch weiterhin den wirtschaftlichen Interessen der Luftverkehrswirtschaft geopfert“, erklärt Martin Mosel, Vorsitzender des Umweltverbands BIG Fluglärm in Hamburg.
Besonders kritisch bewertet die BIG, dass der Entwurf keine überzeugende Antwort auf die zentrale Frage liefert, wie ein weiter wachsender Luftverkehr mit den Klima- und Gesundheitszielen Hamburgs und Deutschlands vereinbar sein soll.
Die gemeinsame Stellungnahme der Verbände macht deutlich, dass technologische Innovationen allein die massiven Zielkonflikte des Luftverkehrs nicht lösen werden. Notwendig seien zusätzlich Verkehrsverlagerung, die Reduktion vermeidbarer Flüge sowie ein wirksamer Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm.
„Wer heute noch unbegrenztes Wachstum des Luftverkehrs propagiert, obwohl Klimakrise, Gesundheitsbelastungen und die Folgen für die betroffenen Regionen längst offensichtlich sind, verweigert sich der Realität. Diese Luftfahrtstrategie ist kein Zukunftskonzept, sondern ein politisches Schutzprogramm für die Interessen der Luftverkehrswirtschaft“, so Mosel weiter.
Der Umweltverband BIG Fluglärm fordert deshalb einen grundlegenden Kurswechsel in der Luftverkehrspolitik: ein echtes Nachtflugverbot, weniger vermeidbare Flüge, eine konsequente Verlagerung auf die Schiene und alternative Mobilitätsformen.
„Solange Klima- und Gesundheitsschutz politischen Sonntagsreden vorbehalten bleiben, wird der Konflikt um den Luftverkehr weiter eskalieren. Deutschland braucht endlich eine Luftverkehrspolitik, die Menschen schützt statt Wachstum um jeden Preis zu organisieren“, fordert Mosel.
Pressemitteilung Umweltverband BIG Fluglärm