Verbot der Grundschleppnetzfischerei

Deutsche Umwelthilfe fordert Landwirtschaftsminister Özdemir auf, den EU-Fischerei-Aktionsplan zu unterstützen
Die Agrarministerinnen und -minister der Bundesländer und Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir treffen sich heute zur Agrarministerkonferenz auf (es muss wohl “in” heißen – wuz) Büsum. Auf der Agenda steht auch der Aktionsplan der EU-Kommission für eine nachhaltige und widerstandsfähige Fischerei, der ein Verbot der Grundschleppnetzfischerei in Meeresschutzgebieten bis 2030 vorsieht.

 

Dies kommentiert Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH):

„Um die Biodiversitäts- und Klimaziele zu erreichen, darf nicht so weitergefischt werden wie bisher. Keine Fangtechnik ist zerstörerischer und klimaschädlicher als Grundschleppnetze. Es ist längst überfällig, diese Form der Fischerei in Meeresschutzgebieten zu verbieten. Wir müssen endlich anfangen, die Meeresschutzgebiete auch wirklich zu schützen und können uns es nicht mehr leisten aus wirtschaftlichen Gründen aktiven Meeresschutz zu behindern. Gut gemanagte Meeresschutzgebiete tragen nachweislich zur Erholung von Fischpopulationen bei und können somit auch positive Effekte auf die Fischerei haben. Bisher werden weite Teile des Meeresbodens auch in den Wattenmeer-Nationalparks mehrere Male pro Jahr mit den Schleppnetzen durchgepflügt – gerade einmal 2 Prozent der Nationalparkflächen im Wattenmeer sind gesetzlich fischereifrei. Wir fordern Landwirtschaftsminister Özdemir und die Landwirtschaftsministerinnen und -minister der Länder auf, den Aktionsplan der EU zu unterstützen und sich für ein Verbot der Grundschleppnetzfischerei in Meeresschutzgebieten auszusprechen – sonst werden wir die Umweltziele für die Nord- und Ostsee nicht erreichen.“

Pressemitteilung Deutsche Umwelthilfe


NABU zum Nein der Küstenbundesländer zum EU-Aktionsplan Nachhaltige Fischerei

Krüger: Notbremse der EU als Folge jahrelanger Tatenlosigkeit

Berlin – Die für die Fischerei zuständigen Landwirtschaftsministerien in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen haben sich jüngst gegen den im Februar veröffentlichten „Aktionsplan für eine nachhaltige und widerstandsfähige Fischerei“ der EU ausgesprochen. Dieser sieht vor, die Grundschleppnetzfischerei in NATURA-2000-Gebieten bis 2030 ausschließen. Ein aus NABU-Sicht notwendiger und richtiger Schritt.

Dazu NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Uns ist bewusst, dass die notwendigen Maßnahmen große Einschnitte für die Fischerei bedeuten. Gleichzeitig bleibt der EU aber keine andere Wahl. Sämtliche Umweltziele für die Nord- und Ostsee wurden verfehlt, Fischbestände brechen zusammen. Jahrelang wurden die Empfehlungen von Wissenschaft und Naturschutz ignoriert. Jetzt rächen sich die Jahre der Tatenlosigkeit. Wie beim Klimaschutz braucht es nun drastische Maßnahmen, um die biologische Vielfalt der Meere vor den Auswirkungen der Grundschleppnetze zu schützen und ihre Resilienz zu stärken.“

Deutschland hat 45 Prozent seiner Meeresfläche in Nord- und Ostsee als Schutzgebiete ausgewiesen, in den Küstengewässern ist es mehr als die Hälfte. Erst vor wenigen Wochen traten erste einschränkende Fischereimaßnahmen in den Naturschutzgebieten der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der deutschen Nordsee in Kraft, 20 Jahre nach Ausweisung der Gebiete. Doch nur weniger als ein Prozent ist zukünftig komplett frei von Fischfang. Zu wenig, um etwa den Zielen der EU-Biodiversitätsstrategie gerecht zu werden.

Der geplante Fischereiausschluss stößt in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachen auf harten Widerstand. „Statt mit konstruktiven Vorschlägen aufzuwarten, verweigern die Fischereiministerien der Länder auf Druck der Krabbenfischer die Umsetzung des Aktionsplans. Trotz ihrer Sorgen um die Zukunft der handwerklichen Fischerei tragen sie auch Verantwortung für streng geschützte Riffe, für Seegraswiesen, Muschelbänke und klimarelevante Schlickgründe“, mahnt NABU-Meeresschutzexperte Kim Detloff. „Drei Monate nach Beschluss der Weltnaturkonferenz, 30 Prozent der Meere wirksam unter Schutz zu stellen und nur zwei Wochen nach Abschluss des Hochseeschutzabkommens transportieren die Küstenländer hier ein fatales Signal zu Lasten der Glaubwürdigkeit Deutschlands im internationalen Meeresschutz.“

Ingo Ludwichowski vom NABU Schleswig-Holstein ergänzt: „Das Verbot der grundberührenden Fischerei ist nicht nur ein Instrument des Schutzes bedrohter Meeres-Lebensräume. Es trägt als erster Schritt auch dazu bei, die verheerende Situation der Fischerei zu verbessern, indem für Fische wieder weniger gestörte Laich- und Aufzuchtgebiete zur Verfügung stehen.“

Der EU-Aktionsplan basiert auf Instrumenten wie der Gemeinsamen Fischereipolitik und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie und fordert deren überfällige Umsetzung. Der Plan verweist aber auch auf die Notwendigkeit der finanziellen Unterstützung durch den Europäischen Meeres-Aquakultur- und Fischereifonds (EMFAF), um sozio-ökonomische Folgen auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Küstenfischerei abzumildern.

Mit Blick auf die Agrarminister-Konferenz am 22. März in Büsum erwartet der NABU ein klares Bekenntnis der Bundesministerien für Fischerei und Umwelt zum EU-Aktionsplan wie es auch der aktuell gültige Koalitionsvertrag vorsieht. Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen fügt hinzu: „Dazu braucht es eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die einen Fahrplan erarbeitet, um das deutsche Schutzgebietsnetzwerk frei von grundberührenden Fanggeräten zu halten. Zugleich braucht es eine differenzierte Betrachtung unterschiedlicher Fanggeräte und eine Forschungsoffensive bei der Entwicklung umweltschonender Fangtechnik. Wir brauchen gemeinsame Lösungen von Fischerei und Naturschutz. Klar ist: ein Weiter so ist keine Option.“

Pressemitteilung NABU (21.3.)

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