Nachtflugbetrieb: Verzerrte Wahrnehmung bei Flughafen & Senat

Der für den Hamburger Flughafen zuständige Wirtschaftssenator sieht eine mutmaßlich positive Entwicklung bei den Verspätungen am Flughafen. Grundlage seiner Aussage ist der vom Flughafen veröffentlichte Monatsbericht Februar 2019.

 

“Flughafen und Senat täuschen die Öffentlichkeit und verfallen in das Shifting-Baseline-Syndrom. Da werden uns mutmaßliche Belastungsminderungen verkauft, die auf Rekordständen des Vorjahres basieren. Das Jahr 2018 ist ein absolutes Rekordjahr bei der Anzahl der Flugbewegungen nach 22 Uhr und bei der Anzahl der Verspätungen gewesen. Seit 2011 steigen die Zahlen kontinuierlich. Im Februar 2019 waren es 28 Verspätungen, im Rekordjahr 2018 64. Doch wo kommen wir her? In 2017 sind es 17 gewesen und in 2016 22. Es ist unredlich vom Senator sich mit Maßnahmen zu rühmen, die bei genauer Betrachtung keinerlei Wirkung entfalten. Das Gegenteil ist der Fall, die Belastungen der Bevölkerung steigen kontinuierlich und hier bedarf es eines echten regulativen Eingriffs. Das ist die tradierte Forderung eines Nachtflugverbot ab 22 Uhr oder schlicht die Reduzierung der das Klima ohnehin hochbelastenden Flugbewegungen. Der Mensch muss weniger fliegen”, erklärt Martin Mosel, Sprecher der Bürgerinitiativen für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW).

Erläuterung:
Shifting Baseline ist ein Begriff aus der Umweltforschung, der von dem französischen Meeresbiologen Daniel Pauly stammt. Er beschreibt das Phänomen, dass sich Orientierungspunkte, anhand derer Menschen ihre Umwelt beurteilen, schleichend verschieben. Was heute normal erscheint, war gestern ein Skandal und vorgestern undenkbar. Übermorgen wird dann rückblickend auf heute „von der guten alten Zeit“ gesprochen. Das Shifting-Baseline-Syndrom (SBS) bezeichnet eine verzerrte und eingeschränkte Wahrnehmung des Wandels. Hierbei kommt es zu einer Verschiebung von Referenzpunkten, die der menschlichen Wahrnehmung beim Bemessen des Ausmaßes einer Veränderung dienen. Manche Veränderungen vollziehen sich in vielen Einzelschritten. Insbesondere wenn ein abnehmender oder zunehmender Trend zu verzeichnen ist, ändert sich das (relative) Ausmaß der Veränderung, je nachdem welcher Bezugspunkt gewählt wird.





Pressemitteilung Bürgerinitiativen für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW)


Verspätungen am Flughafen entwickeln sich positiv

Aus den letzten Monatsberichten zu den Verspätungen am Airport Hamburg Helmut Schmidt geht hervor, dass sich die Zahlen sehr positiv entwickeln. Im Monat Februar 2019 ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte zurückgegangen. Auch für März sieht die Zahl sehr gut aus. Bisher gibt es einen Rückgang von dreißig Prozent.

Hierzu erklärt Senator Michael Westhagemann: „Als für die Verspätungsregelung und den Flughafen zuständiger Senator freue ich mich, dass die Maßnahmen, die wir verabredet haben, greifen. Wir haben immer gesagt, dass das Ganze ein Prozess ist und wir sukzessive besser werden wollen.“

Pressemitteilung Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation


Verspätungen gehen deutlich zurück – Hamburger Flughafen erzielt Erfolge durch intensive Kooperation mit Airlines

Der Erfolg wird sichtbar: Die Verspätungen nach 23 Uhr am Hamburger Flughafen sind deutlich rückläufig. Von Dezember 2018 bis Februar 2019 lagen die Verspätungen mehr als ein Drittel (- 35,2 Prozent) niedriger als im Jahr zuvor. Dieser positive Trend setzt sich im März 2019 fort (bisher – 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr).

Sommer 2019: ein Drittel weniger Flüge in der letzten halben Stunde

Grund für diesen Erfolg ist die enge Zusammenarbeit des Hamburger Flughafens mit den Fluggesellschaften. Der Airport führt regelmäßig intensive Gespräche mit den Airlines, um Verspätungen zu vermeiden. So auch für den kommenden Sommer 2019: Mehr ein Drittel der Flüge wurden aus der verspätungsanfälligen letzten halben Stunde gestrichen und vorverlegt. Grundlage für die bisher 120 Gespräche schaffen vier neue Mitarbeiter, die als Pünktlichkeitsteam Zahlen, Daten und Fakten zusammentragen und mit den Partnern teilen.

Zahlreiche Maßnahmen für Pünktlichkeit am eigenen Standort

Hamburg Airport setzt sich aber nicht nur bei den Fluggesellschaften für mehr Pünktlichkeit ein. Auch am eigenen Standort wurden viele Maßnahmen umgesetzt, die zu mehr Pünktlichkeit beitragen. Dazu gehören Investitionen in die Infrastruktur, eine deutliche Verbesserung des Verkehrsflusses auf den neu geordneten Vorfeldern sowie eine enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Flugsicherung.

Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport: “Pünktlichkeit und Verlässlichkeit sind zwei der wichtigsten Säulen im Luftverkehr. Wir am Hamburg Airport setzen alles daran, hier Top-Leistung zu bieten. Dieses Ziel erreichen wir nur gemeinsam mit den anderen Partnern im Luftverkehr. Auch die Pünktlichkeitsoffensive ist ein gutes Instrument, um Erfolge zu erzielen.”

Pressemitteilung Flughafen HH

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