Wälder bleiben im Krisenmodus

Wiederherstellung jetzt vorantreiben: Mehr natürliche Waldentwicklung, vielfältige Mischwälder mit heimischen Baumarten und mehr Raum für natürliche Prozesse gefordert

Die heute vorgestellte Waldzustandserhebung des Bundeslandwirtschaftsministeriums zeigt erneut: Deutschlands Wälder stehen weiterhin massiv unter Druck. Trotz regionaler Niederschläge im vergangenen Jahr leiden viele Waldbestände unter den Folgen jahrelanger Trockenheit und extremer Hitzeperioden.

Dazu erklärt NABU-Waldexperte Sven Selbert: „Die aktuellen Zahlen machen deutlich: Ein einzelner regenreicherer Juli reicht nicht aus, um die Schäden der vergangenen Dürrejahre auszugleichen. Unsere Wälder leiden weiterhin unter Trockenstress, Hitze und Schädlingsdruck. Wir brauchen jetzt konsequent klimaresiliente Waldökosysteme, die mit den Folgen der Klimakrise besser umgehen können.“

Naturnahe und artenreiche Wälder seien entscheidend, um die vielfältigen Leistungen des Waldes langfristig zu sichern. Wälder speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und wirken durch ihre Schwammfunktion als wichtiger Puffer gegen extreme Hitze und Starkregen. Gleichzeitig liefern sie den wertvollen Rohstoff Holz, bieten Lebensraum für unzählige Tier-, Pflanzen- und Pilzarten und sind wichtige Orte der Erholung für Menschen.

Selbert weiter: „Gesunde Wälder sind unverzichtbar für Klima-, Arten- und Wasserschutz. Damit sie diese Funktionen auch künftig erfüllen können, müssen Waldökosysteme dringend wiederhergestellt werden. Dazu gehören mehr natürliche Waldentwicklung, vielfältige Mischwälder mit heimischen Baumarten, der Schutz alter Wälder und deutlich mehr Raum für natürliche Prozesse.“

Aus Sicht des NABU braucht es jetzt eine langfristige Waldpolitik, die den Waldumbau hin zu naturnahen, klimaresilienten Mischwäldern konsequent vorantreibt, alte Wälder besser schützt und geschädigte Flächen wiederherstellt. Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur bietet dafür die Chance, Waldökosysteme langfristig zu stabilisieren und ihre natürlichen Funktionen zu stärken – entscheidend ist nun eine ambitionierte Umsetzung in Deutschland.

Pressemitteilung NABU


Nur jeder fünfte Baum gesund: BUND drängt auf Kurswechsel in der Waldpolitik

Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) hat heute den Waldzustandsbericht 2025 veröffentlicht. Dazu kommentiert Olaf Bandt, Vorsitzender beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

„Nur noch jeder fünfte Baum ist gesund. Unsere Wälder leiden unter den Folgen der Klimakrise. Trockenheit und Dürre, Hitze, vermehrte Stürme, intensive Forstwirtschaft und Schadstoffemissionen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft setzen ihnen zu. Die leichte Erholung in einigen Regionen ist zwar erfreulich, doch leider ist die Gesamtlage der deutschen Wälder weiterhin dramatisch.

Deshalb muss die Bundesregierung unsere Wälder dringend besser schützen. Es braucht ökologische Leitplanken für Wirtschaftswälder, 15 Prozent Naturwälder ohne forstliche Nutzung und die Förderung heimischer Laubwälder. Für alte Buchenwälder fordert der BUND einen bundesweiten Einschlagstopp. Dadurch wird ihr geschlossenes Kronendach bestmöglich geschützt. Dort, wo Nadelwälder großflächig abgestorben sind, muss natürliche Wiederbewaldung Standard sein.“

Pressemitteilung BUND


Greenpeace-Stellungnahme zur Waldzustandserhebung

Achtzig Prozent der Bäume in Deutschland sind weiterhin krank, zeigt die heute von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) vorgestellte Waldzustandserhebung 2025. Zwar verzeichnet die Erhebung im Vergleich zum Vorjahr eine Stabilisierung, der Zustand des Waldes in Deutschland bleibt jedoch katastrophal schlecht. Der Bericht dokumentiert seit den 1980er- Jahren jährlich die Schäden an den Baumkronen der Bäume in Deutschland. Greenpeace-Waldexpertin Sandra Hieke sieht die intensive Forstwirtschaft und den fehlenden gesetzlichen Waldschutz mit in der Verantwortung:

“Wenn Landwirtschaftsminister Rainer betont, dass ‚jeder fünfte Baum gesund‘ sei, ist das kein Grund zur Entwarnung, sondern ein massives Alarmzeichen. Anders ausgedrückt sind nämlich achtzig Prozent unserer Bäume krank. Alle Jahre wieder dokumentiert das Ministerium die miserablen Ergebnisse im Waldzustandsbericht – und alle Jahre wieder bleibt das ohne wirksame politische Konsequenzen.

Minister Rainer muss jetzt endlich umsteuern und international längst vereinbarte Schutzziele umsetzen. Das bedeutet vor allem auch: Mehr Wälder vor Holzeinschlag zu schützen. Es ist höchste Zeit für eine echte Kehrtwende hin zu einer ökologischen Waldwirtschaft. Lenkt die Bundesregierung nicht um, können wir das Ergebnis des nächsten Waldzustandsberichts schon jetzt vorhersagen: Vier von fünf Bäumen werden weiterhin krank sein. Oder schlimmer.”

Hintergrund: Der reale Schutzstatus deutscher Wälder

Eine Greenpeace-Analyse zu geschützten Wäldern offenbart, dass fast alle Wälder in Deutschland intensiv forstliche bewirtschaftet werden:

Nur 2,8 Prozent der Wälder in Deutschland sind rechtlich vor Holzeinschlag geschützt.
Zwar liegen knapp 80 Prozent der als streng schützenswert identifizierten Waldflächen bereits in offiziellen Schutzgebieten. Der Großteil dieser Gebiete schützt die Wälder jedoch rechtlich nicht vor Holzeinschlag.
Zeigten die Daten zu Beginn der Erhebungen in den 1980er Jahren, dass etwa jeder zweite Baum Krankheitssymptome aufwies, hat sich das Verhältnis über die letzten Jahrzehnte immer weiter drastisch verschlechtert: Seit 2022 sind rund 80 Prozent – also vier von fünf Bäumen – geschädigt. Nicht nur die Klimakrise, sondern auch die intensive Bewirtschaftung der Wälder führt dazu, dass die Wälder weniger kühl und feucht und anfälliger für Dürren und Waldbrände sind.

Mehr: https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/waelder/waelder-deutschland/schlimme-waldschaeden

Pressemitteilung Greenpeace

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