BUND fordert bezahlbares Wohnen ohn
e zusätzliche Versiegelung
Zum Weltbodentag am 5.12. fordert der BUND Hamburg einen Kurswechsel der Hamburger Boden- und Wohnungspolitik, die darauf abzielt, jährlich tausende neue Wohnung zu bauen. „Wir verschwenden wertvollen Boden durch ineffiziente Flächennutzung“, kritisiert Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg. „Vorrangig auf Neubau zu setzen, ist nicht zeitgemäß. Hamburg braucht bezahlbares Wohnen, ohne immer weitere Flächen zu versiegeln. Statt eines Bauturbos wäre jetzt ein „Umbauturbo“ nötig, der es ermöglicht, bestehende Gebäude für Wohnraum umzunutzen.“
Doch der Senat plane, den Bauturbo ohne wirksamen Schutz gegen Flächenfraß anzuwenden. „Hamburg will den Bauturbo nutzen, ohne klare Grenzen bei der Zerstörung von Grünflächen zu setzen“, kritisiert Sommer. „Das droht Bodenspekulation zu befördern und Umweltschutz zu ignorieren.“ So setzt der Senat auf Einzelfallprüfungen anstelle verbindlicher Flächensparziele sowie auf städtebauliche Verträge. Diese werden in der Praxis regelmäßig zu Lasten von Klima- und Naturschutz ausgehebelt.
Neuversiegelung verschärft die Folgen der Klimakrise: Versiegelte Böden können kein Regenwasser aufnehmen, verstärken Hitzeinseln und zerstören die natürlichen Bodenfunktionen. Gleichzeitig befeuert die Flächenkonkurrenz die Wohnungskrise, da die Bodenpreise durch Spekulation in die Höhe getrieben werden. Deshalb fordert der BUND Hamburg den Senat auf, mit wirksamen Instrumenten dem Flächenverbrauch sowie den kontinuierlich steigenden Mieten entgegenzutreten. Beispiele wären die Förderung von Wohnungstausch sowie das Schaffen von Anreizen, weniger Quadratmeter Wohnfläche pro Person zu nutzen.
Der BUND fordert flächensparende Vorgaben für einen bezahlbaren Wohnungsbau:
-Ziele nachhaltiger Stadtentwicklung konsequent verfolgen: Innenentwicklung stärken
-Ambitionierte Ziele für weniger Flächenverbrauch festlegen, Grünflächen schützen und Flächenkreislaufwirtschaft etablieren
-konkrete Vorschriften zur flächensparenden Bebauung
-Aktive Bodenpolitik, mit der die Stadt Flächen aufkauft und gemeinwohlorientiert entwickelt
-Vergabe städtischer Grundstücke nur an Wohnungsbauprojekte, die einen geringen Flächenverbrauch pro Person nachweisen
-Anreizsysteme für flächensparendes Wohnen (z.B. Clusterwohnungen, gemeinschaftliche Wohnformen)
-Städtische Wohnungstausch-Börse
„Der Weltbodentag erinnert uns daran: Boden ist nicht vermehrbar, er ist die Grundlage und Basis für unser Leben. Boden ist keine Ressource, die wir dem Markt überlassen dürfen. Mit einer klugen Bodenpolitik lässt sich gute Wohnungspolitik umsetzen, wenn die Stadt den Mut aufbringt, gegen Flächenverschwendung und Bodenspekulation vorzugehen“, so Sommer abschließend.
Hintergrund: Der Bauturbo ist eine bundesrechtliche Sonderregelung: Mit dem neu eingefügten § 246e Baugesetzbuch (BauGB) können Kommunen auf bestimmte bauplanungsrechtliche Vorschriften verzichten. Seit dem 30. Oktober 2025 ist das Gesetz offiziell in Kraft. In Hamburg haben die regierenden Fraktionen (SPD und BÜNDNIS 90/Die Grünen) einen Antrag eingebracht, um den Bauturbo gezielt zu nutzen. Danach soll der Senat gemeinsam mit den Bezirken Flächen identifizieren und Verfahren zur Schaffung neuen Wohnraums beschleunigen.
Siehe auch: https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wohnflaeche
Pressemitteilung BUND Hamburg
Boden des Jahres 2026: Archivböden brauchen mehr Schutz
BUND: EU-Bodenüberwachungsgesetz braucht verbindliche Regeln
Welttag des Bodens erinnert an Bedeutung unserer Lebensgrundlage
Bodenfunktionen müssen besser geschützt werden
EU-Bodenüberwachungsgesetz ambitioniert umsetzen und erweitern
Zum morgigen Welttag des Bodens (5. Dezember) wird der „Boden des Jahres 2026“ vorgestellt: der Archivboden. Der Archivboden hat die Funktion, besonders viele und gut erhaltene Informationen über die Natur- und Kulturgeschichte eines Ortes zu speichern. Der Welttag erinnert daran, dass gesunde Böden nicht nur Biodiversitäts-Hot-Spots und Grundlage für Ernährung, Klima- und Wasserschutz sind – sie sind lebendige Archive der Natur- und Kulturgeschichte. In Böden finden sich teilweise jahrhunderte- bis jahrtausendealte Spuren vergangener Landschaften, menschlicher Nutzung und Klimaveränderungen. Doch diese Archive sind bedroht: durch Flächenversiegelung, zu intensive Land- und Forstwirtschaft und fehlende Berücksichtigung bei Planungsverfahren. Ihre Zerstörung ist irreversibel.
Mit der neuen EU-Richtlinie zur Bodenüberwachung und für Bodenresilienz – kurz Bodenüberwachungsgesetz –, die am 16. Dezember in Kraft tritt, wird nun erstmals ein verbindlicher Rechtsrahmen geschaffen, um den Zustand der Böden systematisch zu erfassen. Ein wichtiger erster Schritt, aber nicht ausreichend, warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).
Bodenüberwachungsgesetz: Erster Schritt zu europaweit guter Bodengesundheit
Die Mitgliedstaaten sind nun verpflichtet, den Zustand ihrer Böden anhand einheitlicher Methoden zu überwachen: Physikalische, chemische und biologische Daten werden erhoben, Probenahmestellen definiert und regelmäßige Bewertungen durchgeführt. Ziel ist es, bis 2050 europaweit eine gute Bodengesundheit zu erreichen. Um an dieses Ziel zu kommen, kann das Bodenüberwachungsgesetz allerdings nur ein erster Schritt sein.
Tobias Witte, BUND-Experte für Bodenschutz: „Das Gesetz schafft Transparenz, aber keinen Schutz. Ohne Schutzvorschriften mit verbindlichen Schwellenwerten und Maßnahmen bei deren Überschreitung sowie einem umfassenden Wiederherstellungskonzept werden wir unsere Böden nicht angemessen schützen können.“
BUND fordert deutlich ambitionierteren Bodenschutz
Der BUND fordert daher:
-ein europaweites Konzept zur Bodenwiederherstellung und verbindliche Reduktionsziele für Bodendegradation
-klare Schwellenwerte und verpflichtende Maßnahmen bei Überschreitung
-Netto-Null-Flächenverbrauch bis 2030 entsprechend den UN-Nachhaltigkeitszielen
-Schutz besonders wertvoller und seltener Böden wie Moore, Schwarzerden und Archivböden
-eine gesicherte Finanzierung für Monitoring, Schutz und Wiederherstellung
Nur mit klaren Regeln, ambitionierteren Zielen und ausreichend Mitteln kann Europa seine Böden langfristig schützen – und nur so bleibt der Boden ein lebendiges Archiv, für uns und für kommende Generationen.
Pressemitteilung BUND