… große Chance für Flüsse, Artenvielfalt und sauberes Wasser 
Anlässlich des Weltwassertages am 22. März weist der Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf die zunehmenden Herausforderungen für Wasserhaushalt und Ökosysteme im Zuge des Klimawandels hin. Längere Hitzeperioden, häufigere Dürren und steigende Hochwasserrisiken setzen Flüsse, Auen und Feuchtgebiete stark unter Druck.
Gleichzeitig verschärfen menschliche Eingriffe wie Begradigungen, Entwässerung und Schadstoffeinträge die Situation zusätzlich. „Die Klimakrise trifft unsere Gewässer mit voller Wucht. Sie trocknen aus, verlieren ihre natürliche Dynamik und geraten immer stärker unter Stress“, sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.
Renaturierte Flüsse und Auen leisten dabei einen entscheidenden Beitrag zur Klimaanpassung: Sie können Wasser länger in der Landschaft halten, Hochwasserspitzen abmildern und Hitzeperioden abpuffern. Naturnahe Gewässerlandschaften sichern zudem die Wasserqualität und schaffen wertvolle Lebensräume für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Darüber hinaus spielt die Wiederherstellung der Natur eine zentrale Rolle für die Stabilisierung des Wasserdefizits in der Landschaft. Eine gemeinsame Studie von NABU und der Boston Consulting Group (BCG) zeigt: Die Wasserkrise ist kein Mangel an Regen, sondern ein Verlust an natürlicher Speicherfähigkeit. Verdichtete Böden, vereinfachte Vegetationsstrukturen und eine auf schnelle Entwässerung ausgerichtete Landschaft führen dazu, dass Wasser verloren geht, bevor es seine ökologische Wirkung entfalten kann. Renaturierung hilft, natürliche Wasserkreisläufe wiederherzustellen, Wasser in der Fläche zu halten und das Grundwasser nachhaltig zu speichern.
Wie erfolgreiche Renaturierung in der Praxis aussehen kann, zeigt das NABU-Projekt an der Unteren Havel. Seit 2005 arbeitet der NABU daran, einen rund 90 Kilometer langen Flussabschnitt zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt wieder in eine naturnahe Flusslandschaft zu verwandeln. Uferbefestigungen werden zurückgebaut, alte Flussarme wieder angeschlossen und Auenflächen reaktiviert. Dadurch entstehen vielfältige Lebensräume und eine intakte Naturlandschaft zur Naherholung.
„Die Renaturierung der Havel zeigt, wie stark Natur und Menschen profitieren, wenn Flüsse wieder Platz bekommen“, sagt Krüger. „Solche Projekte verbessern die Wasserqualität, stärken die Biodiversität und machen unsere Landschaft widerstandsfähiger gegenüber Hochwasser und Dürre.“
Vor diesem Hintergrund hebt der NABU die Bedeutung der europäischen Wiederherstellungsverordnung hervor. Sie mahnt alle EU-Mitgliedstaaten an, geschädigte Ökosysteme in großem Umfang wiederherzustellen, und bietet damit eine zentrale Chance für den Gewässerschutz in Deutschland.
„Die EU-Wiederherstellungsverordnung kann ein echter Game Changer für die Natur in Deutschland und Europa werden“, sagt Krüger. „Viele Flüsse und Bäche hierzulande sind begradigt, verbaut oder durch Nährstoffe und Pestizide belastet. Wenn wir die europäischen Vorgaben ambitioniert umsetzen, können wir unseren Gewässern wieder mehr Raum geben und ihre ökologische Funktion stärken.“
Zum Weltwassertag fordert der NABU den Bund und die Länder auf, die Chancen der Verordnung konsequent zu nutzen und ambitionierte Programme zur Renaturierung von Flüssen, Auen und Feuchtgebieten umzusetzen. Dazu gehören auch ausreichend breite Gewässerrandstreifen sowie mehr Raum für natürliche Flussdynamik.
„Renaturierung ist kein optionales Naturschutzprojekt, sondern ein gesamtgesellschaftlich wichtiger politischer Auftrag“, so Krüger. „Deutschland muss jetzt zeigen, dass es seine Verantwortung ernst nimmt – mit mehr Raum für Flüsse, breiten Gewässerrandstreifen und einer Landwirtschaft, die Gewässer schützt, anstatt sie weiter zu belasten. Nur wenn wir unsere Flüsse wieder lebendig machen, sichern wir langfristig sauberes Wasser, Artenvielfalt und eine widerstandsfähige Landschaft.“
Pressemitteilung NABU