„Wer die Biodiversität schützt, sichert Wohlstand“

Morgen treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten zuminformellen „Leaders Retreat“ in Limburg. Dabei soll über Europas Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratieabbau diskutiert werden. Der NABU warnt jedoch: Die auch von Deutschland vorangetriebene Deregulierungsagenda schwächt den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz massiv – und gefährdet damit auch Wirtschaft und Sicherheit in Europa.

Dr. Raphael Weyland, NABU-Büroleiter in Brüssel, kommentiert: „Während sich die Natur- und Klimakrise weiter verschärft, soll in Limburg die europäische Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit durch den massiven Rückbau von EU-Umweltrecht angekurbelt werden. Dabei ist wissenschaftlich belegt: Gesunde Ökosysteme sind ein entscheidender Wirtschafts- und Sicherheitsfaktor. Wer die Biodiversität schützt, sichert Wohlstand, Stabilität und Resilienz. Wettbewerbsfähigkeit und Naturschutz sind keine Gegensätze – sie sind gemeinsame Grundlage für ein starkes und zukunftsfähiges Europa.“

Aktuelle internationale Analysen unterstreichen diese Zusammenhänge: So zeigt der am Montag veröffentlichte IPBES Business and Biodiversity Assessment, dass wirtschaftliche Stabilität und Wertschöpfung weltweit in hohem Maße von intakten Ökosystemen abhängen. Auch der ebenfalls am Montag erschienene Munich Security Report 2026 hebt hervor, dass Biodiversitätsverlust und Klimakrise zunehmend als sicherheitspolitische Risiken für Staaten und Gesellschaften bewertet werden.

Der NABU appelliert an die EU-Staats- und Regierungschefs, die biologische Vielfalt als zentralen Wirtschafts- und Lebensfaktor in den Fokus der europäischen Politik zu rücken und Deregulierungen auf Kosten der Natur und Umwelt zu vermeiden: „Europas wirtschaftliche Zukunft entscheidet sich nicht im Widerspruch zur Natur, sondern mit ihr“, so Weyland.

Mit der Kampagne „Hands Off Nature“ macht der NABU gemeinsam mit Partnerorganisationen europaweit auf die drohende Aushöhlung von Umweltstandards aufmerksam und ruft zur Unterstützung auf.

Mehr: https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/naturschutz/europa/haendeweg.html

Pressemitteilung NABU


Deregulierungsgipfel der EU: Deutsche Umwelthilfe warnt vor deutsch-italienischer Kahlschlagsagenda für Klima- und Naturschutz

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt anlässlich des informellen Treffens des Europäischen Rates am morgigen Donnerstag vor einem Kahlschlag bei Klima- und Naturschutzgesetzen. Einem im Vorfeld veröffentlichten deutsch-italienischen Papier zufolge wollen Bundeskanzler Merz und die italienische Regierungschefin Meloni ihre im vergangenen Jahr gestartete Deregulierungskampagne großflächig ausweiten. Unter Beschuss stehen etwa die Wasserrahmenrichtlinie und grundlegende Naturschutzgesetze wie die Flora-Fauna-Habitatrichtlinie und die Vogelschutzrichtlinie. Dieser Vorstoß hat direkte Auswirkungen auf nationale Umweltschutzgesetze, denn diese basieren in Teilen auf EU-weiter Gesetzgebung. Laut DUH würden die Pläne Deutschland und die EU klima- und umweltpolitisch um Jahrzehnte zurückwerfen.

Dazu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH:

„Merz und Meloni wollen über Jahrzehnte erstrittene Umwelt- und Klimaziele der EU teilweise zurücknehmen und zentrale Elemente des Green Deal schwächen. Im Namen einer angeblichen Wettbewerbsfähigkeit nehmen sie den Verlust von Umweltschutz in Kauf. Die Deregulierungsrhetorik schwebt wie ein Damoklesschwert über notwendigen Umweltstandards. Lobbyverbände der fossilen Industrie und der industriellen Landwirtschaft nutzen diese Ankündigungen, um missliebige Gesetze auf die Abschussliste zu setzen, wie zum Beispiel die Wasserrahmenrichtlinie als Grundstein des Gewässerschutzes oder die EU-Methan-Verordnung als essenziellen Baustein des Klimaschutzes. Wir fordern: Hände weg vom Naturschutz.“

Hintergrund:

Im letzten Jahr wurde mit dem ersten Omnibus-Paket unter anderem das Lieferkettengesetz massiv abgeschwächt. Weitere Deregulierungs-Pakete, mit denen Umwelt- und Klimaschutzstandards abgesenkt würden, wie beispielsweise ein „Energie-Omnibus“, sind angekündigt.

Pressemitteilung DUH

Dieser Beitrag wurde unter Natur, Ökologie & Ökonomie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.