Bürgerverein fordert: “Fallenprojekt im Brook sofort beenden”

Der Ausschuss für Klima, Umwelt und Verbraucherschutz der Bezirksversammlung Wandsbek tagte am 13.11.2023 u.a. zum Thema “Wildschweinjagd im NSG Duvenstedter Brook”. Dazu hat der 1. Vorsitzende des Bürgervereins Duvenstedt/Wohldorf-Ohlstedt, Steffen Wichmann diese Meinung:

Der Termin im Umweltauschuss der Bezirksversammlung am 13.11.2023 war sehr interessant. Wie gut, dass sich nun die Politik mit diesem Thema beschäftigt. Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) hatte ihre Teilnahme kurz vor Beginn der Sitzung abgesagt, sie sollte zu ihrem “Fallenprojekt” Stellung beziehen. Naturschutzbund Hamburg (NABU) und Landesjagd-und Naturschutzverband der Freien und Hansestadt Hamburg e.V. (LJV) waren wie vereinbart erschienen.

Der Referent:innenvortrag der BUKEA soll zeitnah nachgeholt werden. Es wird vom Umweltausschuss ein Termin im Dezember angestrebt.

Referent:innen, die die Fallenjagd auf Wildschweine rein aus der Sicht des Tierschutzes (z.B. Deutscher Tierschutzbund, Wildtierexperte James Brückner)
bewerten könnten, waren nicht eingeladen. Diese Rolle übernahmen dann aber Alica Huckfeldt und Walter Pries vom LJV Hamburg.

Der Bürgerverein Duvenstedt/Wohldorf-Ohlstedt e.V. war als Besucher in den Bürgersaal nach Wandsbek gekommen.

Es wurde von Seiten des NABU (Herr Depke) auf die Schäden im Naturschutzgebiet (NSG) Duvenstedter Brook hingewiesen, die durch Wildschweine, auch Schwarzwild genannt, verursacht werden. Eine Einschätzung aus tierschutzrechtlicher Sicht zum Gebrauch von Saufängen/Fallen erfolgte von Timo Depke (NABU) nicht.

Die im Vorfeld von der BUKEA aufgestellte Behauptung eines starken Anstiegs der Bestandszahlen beim Schwarzwild konnte seitens des LJV nicht bestätigt werden. Dazu hatte der LJV die Streckenzahlen, d.h. der Abschüsse, des Fallwildes mit verendeten und überfahrnen Wildschweinen der letzten 15 Jahre im und um das NSG Duvenstedter Brook zusammengetragen. Aus diesen Zahlen ergab sich keine starke Steigerung der Bestände in den letzten 10 Jahren. Derzeit sind die Zahlen der Abschüsse stark rückläufig, auch durch eine strengere Bejagung mit zur Hilfenahme von Nachtsichttechnik und die Aufhebung von Schonzeiten beim Schwarzwild.

Beispielsweise sind in Schleswig-Holstein die Streckenzahlen beim Schwarzwild im Jagdjahr 22/23 um 33% im Vergleich zum vorherigen Jagdjahr gesunken. Und das trotz vermehrten Einsatzes der Nachtsichttechnik und der Aufhebung der Schonzeiten.

Der LJV referierte über fehlende Zählungen von Behördenseite beim Schwarzwild und den mangelnden Tierschutz. Die zum Teil schweren Verletzungen, die das Schwarzwild in den Fallen erleiden muss, wie gebroche Läufe, ausgerissene Zähne, totgetrampelte Frischlinge und Tiere die durch einen exorbitant erhöhten Stresspegel an Überhitzung sterben. Weiterhin wurde auf die Gefahr von Fehlfängen und Verletzungen anderer Wildarten und Vögel hingewiesen.
Die Wildschweine geraten bei der Annäherung des Försters/Jäger in Panik und befinden sich “in höchster Not”, wie es in der Sprache der Waidfrauen und Waidmänner heißt. Sie wissen, dass sie ihrem Tod nicht entkommen können. Wildschweine sind hochintelligente und sehr soziale Tiere.
Die Tiere werden in der Falle erschossen. Man beginnt mit dem größten/ältesten Wildschwein. Also müssen die Frischlinge mit ansehen, wie ihre Mütter und die anderen Mitglieder der Rotte, so heißt der Familienverbund bei Wildschweinen, getötet werden.

Im Vergleich zur Einzeljagd, kann das Fleisch der Wildschweine, die in Fallen gefangen werden, durch den Stress mit einem fünffach höheren Cortisolwert, ein Stresshormon, belastet sein. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Qualität des Fleisches.
Das Wildfleisch wird über die üblichen Vetriebswege der Hamburger Revierförstereien den Hamburger:innen als qualitativ hochwertiges Wildfleisch aus den Hamburger Waldgebieten angeboten. Das ist laut Walter Pries ein Skandal.

In diesem Zusammenhang antwortete die BUKEA auf eine Senatsanfrage der CDU bezüglich der Anzahl der gefangenen und getöteten Wildschweine im Jagdjahr 22/23: “14 Frischlinge wurden wegen Ihres geringen Gewichts kostenneutral entsorgt”. Was für eine Wortwahl, wenn man bedenkt, dass es sich um Lebewesen handelt und die Voraussetzung für eine waidgerechte Jagd die Verwertung des Fleisches der erlegten Tiere als Lebensmittel sein muss.

Die BUKEA hat für das Jahr 2023 fünf Netzfallen des Typs “PigBrig” (einfach bei YouTube eingeben, wenn man starke Nerven hat) für 15.000,00 EURO von Steuergeldern eingekauft. In den Jahren zuvor wurden andere Fallentypen ausprobiert, auch hierfür sind hohe Kosten für die Steuerzahler:innen für die Anschaffung und Installation entstanden. Inwieweit man beim Einsatz von fünf Fallen des gleichen Typs noch von einer “Testphase” oder einem “Pilotprojekt” sprechen kann, konnte die BUKEA wegen Abwesenheit leider nicht beantworten.

Die PigBrig Fallen stammen von einem amerikanischen Hersteller. Sie werden in Amerika in Bereichen eingesetzt, in denen verwilderte Hausschweine zur Plage geworden sind. Von einer Plage kann im NSG Duvenstedter Brook aber beim besten Willen keine Rede sein.

Die BUKEA rechtfertigte bisher den Einsatz der Fallen auch mit der Gefahr eines möglichen Ausbruchs der Afikanischen Schweinepest (ASP) in Hamburg.
Die nächstgelegene Sperrzone wegen der ASP zu Hamburg befand sich in Mecklenburg Vorpommern. Sie war nach einem Fund eines infizierten Tieres am 24.11.2021 an der A24, eingerichtet worden war (Landkreis Parchim ca. 150 km von Hamburg). Diese wurde am 21.09.2023 aufgehoben.
Für Hamburg bestand zu keiner Zeit eine akute Berdrochungslage durch die ASP seit dem Einsatz der verschiedenen Windschweinfallen im Jahr 2019.

Wir vom Bürgerverein Duvenstedt/Wohldorf-Ohlstedt e.V. werden einen solchen Umgang mit freilebenden Tieren in unseren Wäldern nicht akzeptieren und
uns weiter für einen sofortigen Stopp des “Fallenprojekts” und dem damit verbundenen Tierleid einsetzten.

Wir fordern deshalb die Umweltbehörde und insbesondere Umweltsenator Jens Kerstan erneut auf, das “Fallenprojekt” umgehend zu beenden.

Steffen Wichmann
1. Vorsitzender
Bürgerverein Duvenstedt/Wohldorf-Ohlstedt


Wildschweinjagd im Brook Thema im Klimaausschuss

Der Ausschuss für Klima, Umwelt und Verbraucherschutz kommt am Montag, 13.11.2023, 18:00 Uhr zu seiner nächsten Sitzung im Bürgersaal Wandsbek, Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg zusammen.

Auf der Tagesordnung steht u.a.

TOP 4.1 Wildschweinjagd im Duvenstedter Brook – Referentenvortrag der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), des NABU und des LJV-Hamburg

Die komplette Tagesordnung gibt es hier: https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/to010.asp?SILFDNR=1002947

Pressemitteilung Bezirksamt Wandsbek

Dieser Beitrag wurde unter Natur, Politik/Wahlen/Demokratie/Frieden, Walddörfer veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.