NABU fordert Tempo, Zusammenhalt und natürlichen Klimaschutz
Schur: Klima- & Naturschutzziele in allen Sektoren entschlossen umsetzen / Gesunden Ökosysteme als Schlüssel, Emissionen zu senken
Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen (12.12.) zieht der NABU eine gemischte Bilanz: Deutschland hat wichtige Fortschritte erzielt, doch das Tempo reicht nicht aus, um seinen Beitrag zum Klimaabkommen zu erfüllen. Besonders dringlich ist aus Sicht des NABU, dass Klima- und Naturschutz künftig deutlich enger zusammengedacht werden und der natürliche Klimaschutz zum politischen Leitprinzip wird.
Pauline Schur, NABU-Teamleiterin Klima und Verkehr resümiert: „Das Pariser Abkommen hat uns vor zehn Jahren den Weg gewiesen. Heute wissen wir klarer denn je: Wirksamer Klimaschutz gelingt nur mit gesunden Ökosystemen. Wiedervernässte Moore, lebendige Auen, naturnahe Wälder und intakte Meereslebensräume sind entscheidende Verbündete, wenn wir Emissionen senken, Kohlenstoff speichern und uns gleichzeitig vor Extremwettern schützen wollen.“
Schur betont, dass natürliche Senken und widerstandsfähige Ökosysteme in den politischen Debatten der vergangenen Jahre zu oft als „Zusatzthema“ behandelt wurden, obwohl sie zentrale Bausteine für das Erreichen der Pariser Ziele sind. „Wir brauchen einen echten Neustart: Wiederherstellung zerstörter Natur muss Kernbestandteil der Klimapolitik werden.“
Positiv bewertet der NABU, dass Deutschland seine Emissionen im Energiesektor spürbar senken konnte und klimafreundliche Technologien in immer mehr Bereichen Alltag sind. Gleichzeitig bleiben strukturelle Hindernisse bestehen: Der Netzausbau hält mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nicht Schritt, Flexibilitätsoptionen fehlen und Personalengpässe bremsen Planungen.
Auch im Verkehr reichen die Fortschritte der vergangenen Jahre nicht aus. Emissionen sind zwar gesunken, doch politische Unsicherheiten und drohende Rückschritte, etwa beim Verbrenner-Aus, erschweren die notwendige Transformation. „Wir riskieren, die Erfolge der letzten Jahre zu verspielen – im Energiesektor durch fehlende Systemintegration, im Verkehr durch mangelnden politischen Mut. Beides braucht klare Leitplanken und die Bereitschaft, langfristig zu denken“, so Schur.
Für den NABU ist der zehnte Jahrestag des Pariser Abkommens damit vor allem eine Aufforderung zum Handeln: „Wir haben enormes Potenzial – technologisch, gesellschaftlich und durch unsere Natur. Jetzt müssen wir es nutzen. Wenn wir natürlichen Klimaschutz stärken, die Energiewende stabilisieren und den Verkehr konsequent Richtung Klimaneutralität entwickeln, können Deutschland und die EU ihren Beitrag zum Klimaabkommen erfüllen.“
Pressemitteilung NABU
Pariser Klimaabkommen: Klimaschutz sichert Zukunft und Wohlstand
Zu zehn Jahren Pariser Klimaabkommen erklärt Verena Graichen, Geschäftsführerin Politik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):
„Wir gratulieren zu zehn Jahren Pariser Klimaabkommen. Und wir erinnern: Worte retten kein Klima, Taten schon. Jedes Land muss seinen vereinbarten Beitrag leisten, damit das gemeinsame Ziel erreicht wird, die Klimakrise zu stoppen. Klimaschutz sichert Zukunft und Wohlstand.
Die Bundesregierung muss jetzt die Hausaufgaben machen und ein wirksames Klimaschutzprogramm auf den Tisch legen. Es braucht endlich Maßnahmen, die den Klimaschutz voranbringen, statt die Energiewende, die Abkehr vom Verbrenner oder gleich die Klimaziele infrage zu stellen. Deutschland ist säumig mit seinem Beitrag zum Paris-Abkommen und droht, den Anschluss an Zukunftsmärkte zu verpassen.
Das Klimaabkommen hat gezeigt, dass multilaterale Zusammenarbeit erfolgreich ist. Sie ist sogar der einzige Weg, um globalen Krisen umfassend zu begegnen. Zum Jubiläum sagen wir deshalb: Danke an alle, die seitdem kämpfen, handeln und Hoffnung geben.“
Pressemitteilung BUND
10 Jahre Pariser Klimaabkommen: VCD warnt vor Aufweichung des Null-Emissionsziels und neuen Autobahnen
Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen droht Europa beim Klimaschutz zurückzufallen. Kurz vor Vorstellung der EU-Pläne zu den CO2-Flottengrenzwerten für PKW am 16. Dezember wird das bereits beschlossene Null-Gramm-Ziel infrage gestellt. Gleichzeitig will die Bundesregierung neue Autobahnen höher gewichten als den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Der VCD fordert: Wir brauchen einen klaren Kurs für moderne, nachhaltige Mobilität.
Zehn Jahre nach Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens ist von der damaligen Aufbruchstimmung kaum noch etwas übrig. Ausgerechnet bei den CO2-Vorgaben für Neuwagen – dem Kernstück des European Green Deal – droht nun eine Rolle rückwärts.
Christiane Rohleder, Bundesvorsitzende des VCD kritisiert dies scharf. „Das Null-Emissionsziel aufzuweichen, wäre ein fatales Zeichen für den Klimaschutz. Das beschädigt die Glaubwürdigkeit europäischer Klimapolitik und schadet dem Klima und damit uns allen.“
Scharf kritisiert der VCD auch, dass mit dem „Infrastruktur-Beschleunigungsgesetz“ unter anderem für neue Autobahnen künftig ein „überragendes öffentliches Interesse“ gelten soll. Damit wird der Neubau von Autobahnen künftig höher gewichtet als alle anderen Interessen wie der Schutz von Klima, Natur und der Bevölkerung, die bisher miteinander abgewogen werden müssen.
Christiane Rohleder mahnt deutlich: „Neue Autobahnen über den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu stellen, die sogar Verfassungsrang haben, ist unverantwortlich. Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen brauchen wir einen klaren Kurs Richtung klimafreundliche Mobilität. Die Rückabwicklung schon erreichter Fortschritte ist fatal, ganz besonders für künftige Generationen.“
Der VCD fordert die EU-Kommission, das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten auf, am Null-Emissionsziel festzuhalten und den Wechsel zur E-Mobilität konsequent voranzutreiben. Nur so kann Europa seine Klimaziele erreichen und eine moderne, lebenswerte Mobilität für kommende Generationen sichern.
Pressemitteilung VCD