Zum Verkaufsstart von Pyrotechnik:

Alarmierend hohe Klinikauslastungen: Deutsche Umwelthilfe und Bündnispartner fordern Böller-Notbremse von Faeser
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt zum Verkaufsstart von Pyrotechnik vor vielen Opfern und einer extremen Belastung von Einsatzkräften, Kliniken und Ärzten in der Silvesternacht. Gemeinsam mit einem Bündnis aus Bundesärztekammer, Gewerkschaft der Polizei sowie 20 weiteren Verbänden, Umwelt- und Tierschutzorganisationen fordert sie von Bundesinnenministerin Nancy Faeser eine „Böller-Notbremse“, also ein kurzfristiges, sofort gültiges Anwendungsverbot für Böller und Raketen.

 

Hintergrund sind die extremen Ereignisse der vergangenen Jahre. Zu Corona-Hochzeiten hatte die Regierung bereits ein Böllerverbot ausgesprochen, damit Ärztinnen und Ärzte und Kliniken durch die vielen teils Schwerverletzten an Silvester nicht überlastet werden.

In den vergangenen Tagen haben sich nun Berichte gemehrt, dass aktuell die Kombination aus Corona, Grippe und RS-Virus insbesondere Kinderkliniken bereits wieder an die Belastungsgrenze bringt. Das Robert-Koch-Institut warnt zudem vor der Ausbreitung eines Grippe-Erregers, der zu schweren Krankheitsverläufen führt. Gleichzeitig bereiten sich Polizei und Feuerwehr nach den schweren Ausschreitungen im vergangenen Jahr auf gefährliche Situationen und erneut viele Verletzte vor.

Bislang hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser keine Maßnahmen zum Schutz von Umwelt, Einsatzkräften oder Bevölkerung ergriffen. Auch eine Mehrheit der Bevölkerung befürwortet laut Umfragen ein Böllerverbot. Ein Offener Brief an Faeser wurde bereits mehr als 180.000 Mal mitgezeichnet. Die DUH ruft Bürgerinnen und Bürger weiter dazu auf, den Offenen Brief noch vor Silvester zu unterzeichnen unter https://mitmachen.duh.de/boellerfrei/

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Das Zusammenspiel aus hoch belasteten Kliniken, einer weiteren Krankheitswelle sowie tausenden Verletzten, Millionen Tieren in Panik und extremer Luftverschmutzung zu Silvester erfordert eine sofortige Reaktion. Insbesondere Kinder mit Atemwegserkrankungen können in diesem Jahr schwer betroffen sein. Das darf die Ministerin, die für Gefahrenabwehr zuständig ist, nicht einfach ignorieren. 2020 ist die Bundesregierung zu Recht kurzfristig eingeschritten. Es braucht auch jetzt die Notbremse gegen den Böller-Irrsinn. Und dann ein dauerhaftes Böllerverbot für alle folgenden Jahre. Wir haben ein Recht auf ein schönes und gesundes Silvester für alle – und das ist mit tausenden teils schwer Verletzten, Millionen Lungenkranken, die unter der giftigen Luft leiden, und Millionen Tiere, die in Panik geraten, sich verletzen oder sogar sterben, nicht möglich. Von Belastungen und Folgen für Ärztinnen und Ärzte, Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehr sowie den weiteren Umweltfolgen ganz zu schweigen.“

Besonders dramatisch wurden die Folgen der archaischen Böllerei in der Silvesternacht 2022/23 sichtbar: Polizei, Feuerwehr und medizinische Einsatzkräfte wurden in mehreren Städten gezielt mit Feuerwerkskörpern attackiert, tausende Menschen verletzten sich zum Teil schwer und hunderte Brände wurden gemeldet. Ein 17-Jähriger kam in der Silvesternacht sogar durch Pyrotechnik zu Tode. Die gesundheitsschädliche Feinstaubbelastung war beispielsweise in München neunmal höher als im Vorjahr.

Umfragen belegen bereits seit Jahren, dass eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland für ein Ende der archaischen Böllerei ist. Laut einer repräsentativen Umfrage der Verbraucherzentrale Brandenburg sprechen sich in diesem Jahr 59 Prozent der Menschen für ein generelles Verbot von privatem Feuerwerk aus. Auch die Zivilgesellschaft arbeitet immer stärker zusammen für ein Ende des privaten Feuerwerks: Insgesamt haben sich mittlerweile 22 Organisationen der DUH-Forderung angeschlossen, darunter die Bundesärztekammer, der Deutsche Naturschutzring, die Gewerkschaft der Polizei und PETA Deutschland.

Weitere Infos: Offener Brief an Bundesinnenministerin Nancy Faeser: https://mitmachen.duh.de/boellerfrei/
Mehr Informationen über die Folgen der Böllerei: https://www.duh.de/projekte/silvesterfeuerwerk/

Pressemitteilung Deutsche Umwelthilfe

Siehe auch: /2023/12/weitere-handelsketten-stoppen-verkauf-von-pyrotechnik/


Böllermüll richtig entsorgen

Die Stadtreinigung Hamburg (SRH) beginnt schon am frühen Morgen des 1. Januars 2023 als Sofortmaßnahme mit der Beseitigung der Feuerwerksreste auf Flächen an den Landungsbrücken, am Fischmarkt, auf der Reeperbahn, in Fußgängerzonen der Harburger und Bergedorfer Innenstädte sowie in einigen Grünanlagen. Damit dies an diesem Tag – aber auch an den darauffolgenden Tagen – reibungslos funktioniert, bittet die SRH alle Hamburger:innen um Mithilfe.

Flaschen und Feuerwerksbatterien verstopfen die Saugschläuche der großen SRH-Kehrmaschinen. Die Reinigungskräfte müssen sich für jedes einzelne Stück dieser Abfälle bücken und diese manuell entfernen. Flaschen, Glasscherben und Reste der Feuerwerksbatterien auf Fahrbahnen sind zudem eine ernsthafte Gefahr: Fährt ein Fahrzeug über leere Flaschen, können sie zu Geschossen werden und Passanten verletzen oder zu Beschädigungen an anderen Fahrzeugen führen. Glassplitter sind zudem ein Ärgernis für Fahrradfahrende und gefährden Tiere.

Die SRH bittet deshalb:

Abgebrannte Feuerwerksbatterien sollen unmittelbar nach Benutzung wieder mitgenommen und in den schwarzen Restmülltonnen entsorgt werden.
Leere Flaschen sollen in die Altglascontainer geworfen werden.
Abgebrannte und erkaltete Feuerwerksreste gehören in die schwarze Restmülltonne.

Für alle nicht während der Sofortmaßnahme gesäuberten Flächen gilt: Die SRH reinigt Fahrbahnen, Grünanlagen und Gehwege im Rahmen der regelmäßigen Reinigung. Die Gehwegreinigung findet allerdings nur dort statt, wo Anlieger:innen Gehwegreinigungsgebühren bezahlen. Auf allen anderen Gehwegen sind die Anwohner:innen selbst für die Entfernung von Böllerresten und Abfällen verantwortlich, auch wenn sie nicht die Verursacher:innen der Verschmutzung sind.

Das Silvesterfeuerwerk sorgt nicht nur für eine gesundheitsschädliche Spitzenbelastung durch Feinstaub: Auch kleine Plastikteile aus Feuerwerksbatterien und von Raketen sowie weggeworfene Plastikschutzhülsen von Zündschnüren oder Raketenhütchen aus Plastik können abseits befestigter Straßen und Wege kaum wieder eingesammelt werden und sind eine Quelle für Mikroplastik im Boden. Gleiches gilt für achtlos weggeworfene Folienverpackungen von Silvesterfeuerwerk. Diese Plastikteile gehören in die gelben Hamburger Wertstofftonnen oder -säcke.

Die SRH weist zusätzlich darauf hin, dass anlässlich der Silvesterfeiern Papier- und Glascontainer voller sein könnten als sonst und gibt folgende Tipps:

Mach`s flach

Kartons sollten unbedingt gründlich gefaltet oder flachgemacht werden, bevor sie in den Containern entsorgt werden. So kann das Fassungsvermögen der Container optimal ausgenutzt werden

Bring`s nach Neujahr

An gesetzlichen Feiertagen dürfen Depotcontainer nicht geleert werden. Wegen der zu erwartenden hohen Auslastung der Behälter kurz nach Silvester stehen die Chancen für eine erfolgreiche Entsorgung zu einem späteren Zeitpunkt sehr viel besser.

Stell’ nichts daneben

Wenn die Container voll erscheinen ist die Versuchung groß, Abfälle bzw. Wertstoffe neben die Behälter zu stellen. Das ist Littering und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar.

Böllerpapiere nicht ins Altpapier!

Auch wenn viele Feuerwerkskörper zu großen Teilen aus Papier bestehen: Sie gehören in den Restmüll.

Pressemitteilung Stadtreinigung Hamburg

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